Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531461
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ROM 
UNTER 
JULIUS 
Als diefe Ereigniffe vor {ich gingen, war Michelangelo bereits längit 
wieder in Rom angefiedelt. Noch von Bologna aus hatte er mit Giuliano 
da San Gallo und mit dem Cardinal von Pavia einen eifrigen Brief- 
wechfel unterhalten. Ueber den Inhalt desfelben ift nichts bekannt. 
War es feine Abflcht, in Florenz fich niederzulaffen, oder hoffte er jetzt 
endlich den Bann, der auf feiner Arbeit am Grabdenkmale des Papfles 
lag, gelöfl zu fehen? Weder der eine noch der andere Wunfch ging 
in Erfüllung. Schon im Frühlinge 1508 begegnen wir ihm in Rom. 
Florenz hatte er offenbar nur flüchtig berührt. Und auch jetzt durfte 
er noch nicht den Meifsel in die Hand nehmen. wNachdem die Statue 
an der Faffade von Petronio aufgeftellt und der Papft nach Rom zurück- 
gekehrt war, wollte er auch jetzt nicht, dafs ich an dem Grabmale 
arbeite, fondern wies mich an, die Decke der Sixtina auszumalen, und 
wir kamen über die Zahlung von 3000 Ducaten übereinß Der Wille 
des Papfles fiegte alfo abermals. Doch ftiefs er nicht auf den heftigen 
Widerftand, welchen Michelangelo zwei Jahre früher gewagt hatte. Unter 
einem eigenhandigen Vermerke Michelangelds vom I. Mai 1508, gegen- 
wärtig im Britifchen Mufeum bewahrtä), fteht zu lefen, dafs er an 
diefem Tage vom Papfte 500 Ducaten empfangen habe auf Rechnung 
der Malerei an der Decke der Sixtinifchen Capelle. xDie Arbeit dafür 
habe ich heute begonnen und zwar auf Grund der Bedingungen und 
Verträge, welche ich mit dem hochwürdigflen Cardinal von Pavia ab- 
gefchloffen und eigenhändig unterfchrieben habex Wie eifrig Michel- 
angelo das Werk betrieb, nachdem einmal die endgiltige Entfcheidung 
getroffen war, beweift feine Thätigkeit in den nächftfolgenden Tagen. 
Schon am 11. Mai trat er mit dem ihm befreundeten Maurermeifler 
Jacopo Rofelli in Verhandlungen, damit diefer den Anwurf der Decke 
beforge, die letztere zur Aufnahme der Farben vorbereite. Zwei Tage 
fpäter fchreibt er an einen Mönch des Gefuatenordens in Florenz, der- 
felbe möge ihm bei der in der Farbenfabrication berühmten Bruderfchaft 
eine Quantität fchöner Ultramarinfarbe bePcellen. Auch um Gehilfen bei 
der Arbeit fah er {ich jetzt fchon um. Er dachte fle aus Florenz zu 
holen, ältere Leute, welche mit der Frescotechnik Befcheid wüfsten und 
die Ausführung der Gemälde in die Hand nehmen könnten, und nahm 
in der That fünf Maler, die Vafari bei Namen nennt: Francesco Gra- 
nacci, Giuliano Bugiardini, Jacopo, genannt flndaco, Agnolo di Donnino 
und Ariflotile da San Gallo, in feine Dienfte. Es ging ihm aber mit 
denfelben, wiehesfihmümit den Gehilfen Lapo und Lodovico in Bologna 
Milaneü, 
563.
        

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