Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531455
DIE PAPSTSTATUE IN BOLOGNA. 153 
BegreiHicher Weife war Michelangelo ungeduldig, nun Bologna zu 
veäarffen, wo er durch die Ungefchicklichkeit Anderer viel Zeit verloren 
und durch feine Arbeit nichts gewonnen hatte. wAm Ende der zwei 
Jahre (genau gerechnet nur I 5 Monate), die ich mich dort aufhielt, fand 
ich, dafs ich 41k Ducaten erübrigt hattet, klagte Michelangelo noch in 
fpäteren Zeiten. Auf Befehl des Papftes mufste er aber noch verweilen, 
bis die Statue auf ihren Standort, eine Nifche an der Faffade von 
S. Petronio über dem Portale, gebracht worden war. Dies gefchah unter 
TrQmpetenklang, Paukenfchall und Glockengeläute zu der von den Affro- 
logenbeftimmten günftigen Stunde am 21. Februar 1508. Michelangelo 
hatte den Papft fitzend dargeftellt, mit der Tiara auf dem Haupte, die 
Schlüffel Petri in der einen Hand, die andere zum Segen erhoben. 
Als Wahrzeichen des politifchen Triumphes war die Statue geiiiftet 
worden. Das gereichte ihr zum Verhängnifs. Denn als {ich die Zeiten 
änderten, und Sieger und Befiegte die Rollen vertaufchten, da traf der 
politifche Hafs, der fonft doch nur Perfonen gilt, auch das Denkmal und 
führte deffen Vernichtung herbei. 1m Jahre 1511 fchüttelten die Bürger 
Bolognas die päpftliche Herrfchaft, welche ihnen allerdings der päplicliche 
Liegat, der Cardinal von Pavia, unerträglich gemacht hatte, ab und riefen 
die Bentivogli zurück. Nicht allein die Citadelle, welche Julius II. zu 
bauen begonnen hatte, wurde von dem Volke der Erde gleich gemacht, 
auch alle anderen Denkmale der Papftherrfchaft fielen der Zerftörung 
anheim. Am 30. September 1511 wurde der Statue des Papftes ein 
Strick um den Hals gelegt und fle von ihrem hohen Standorte herab- 
geftürzt. Obgleich der Strafsenboclen mit Stroh und Fafchinen belegt 
War, bohrte {ich doch der Erzcolofs tief in die Erde ein. S0 grofs war 
Clas Gewicht, fo gewaltig der Sturz. Wie der Cadaver eines Verbrechers 
wurde die verftümmelte Statue durch die Strafsen von Bologna gefchleift. 
In einzelne Stücke zerfchlagen, gelangte {ie nach Ferrara, WO aus der- 
felbheni eine mächtige Kanone gegoffen wurde. Den Kopf behielt der 
Herzog von Ferrara, doch verfchwand auch diefer mit der Zeit und 
mit ihm die letzte Spur des Michelangeldfchen Werkes?) Keine Zeich- 
nuflgim), kein Modell giebt uns über dasfelbe anfchaulichen Auffchlufs. 
NViFbleiben allein auf die Erzählungen der Chroniften verwiefen. 
Ü" 
 P0 deßa, L3, statua di Papa  Die Federzeichnung eines ützen- 
Giulio II a. Bologna. (Atti e memorie den Papfles in der Sammlung Malcohn 
della deput. di storia patria per 1e pro- dürfte floh eher auf das juliusdenklnal 
vincie di Romagna, anno VII. p. 1 21.) beziehen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.