Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531422
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ROM 
JULIUS 
UNTER 
Mittelsmann. Am 8. Juli richtete der Papft an Soderini ein Breve. 
Milde genug beurtheilt er darin Michelangelds Flucht. Diefer wäre ohne 
Grund und unbedachtfam aus Rom weggegangen. Mit vornehmer Ironie 
erwähnt er, er hätte vernommen, die Furcht halte den Künftler von der 
Rückkehr ab. wWir zürnen ihm nicht; denn wir kennen die Gemüther 
diefer Art Menfchene. Damit Michelangelo aber allen Verdacht ablege, 
fo wird ihm die ftraffreie Rückkehr förmlich zugefagt. vWir wollen ihn 
wieder in derfelben apoitolifchen Gnade halten, in welcher er vor feinem 
Weggang gehalten worden iftr Michelangelo genügte das Wort des 
leicht aufbraufenden und dann rückfichtslofen Papftes nicht. Er wünfchte 
noch durch einen befonderen perfönlichen Schutz am päpfilichen Hofe 
gefichert zu werden. Dazu eignete {ich Niemand beffer als der Cardinal 
von Pavia, Francesco Alidofl, der Liebling des Papftes, der in feinen 
jungen Jahren durch die Schönheit feines Leibes die Gunft des Herrn 
erworben hatte, von diefem mit geiftlichen Würden und Aemtern über- 
häuft worden war und nun grofsen Einflufs am Hofe übte. Die Zeit- 
genoffen entwarfen ein gar häfsliches Bild von dem Cardinal, der ja auch 
wenige Jahre fpater von der Hand des Herzogs von Urbino ein trauriges 
Ende fand. Doch fehlte es ihm keineswegs an Eigenfchaften, die ihn 
befonders in den Augen des Künfilers liebenswerth machten. Er fchätzte 
eine feine und freie Bildung, war z. B. ein Gönner des Erasmus von 
Rotterdam. Reiche künftlerifche Pracht zu entfalten, der Bauluft zu 
huldigen, erfüllte ihn mit Befriedigung. An ihn dachte daher auch 
Michelangelo als den beften Bürgen feiner Sicherheit am päpftlichen 
Hofe. Der Gonfaloniere meldete dem Cardinal die Bedingungen des 
Künftlers: ein eigenhändiger Brief des Cardinals an die Signorie von 
Florenz müffe Michelangelo die vollftandige Sicherheit verfprechen. Wenn 
man ihn nicht glimpfiich behandle, werde er lieber Italien ganz verlaffen. 
Ende Auguft fchienen die Verhandlungen endlich mit Erfolg gekrönt. 
Die Signorie richtete (3I.Auguft) an den Cardinal von Pavia ein Schreiben, 
in welchem fie den Ueberbringer wMichelangelo Buonarroti, sculptore, 
cittadino noflro et amato grandemente da noit feinem Schutze dringend 
empfahl. Wer den Brief aber__ nicht überbrachte, war Michelangelo. 
Auch jetzt noch zögerte er, Florenz zu verlaffen, und hätte lieber, wie 
man nach einzelnen Andeutungen glauben möchte, den hier begonnenen 
Werken, dem Schlachtcarton und den zwölf Apoftelftatuen im Dom, feine 
Kraft und Zeit gewidmet. 
T 
Gaye, 
Carteggio 
XXIX- 
-XXXI 
und 
XXXVI- 
-XXXV1II.
        

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