Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531409
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ROM 
UNTER 
IULIUS 
Uebrige nach einem neuen Plane viel fchöner und prächtiger herzuftellenß 
Condivi und Vafari wiffen natürlich auch von der Gegnerfchaft Bramantes 
und dafs an die Stelle der Grabfculptur die Deckenmalerei in der Sixtina 
gefchoben wurde. Da fie aber den Plan des letzteren Werkes mit dem 
wirklichen Beginne der Arbeit in der Zeit zufammenfallen laffen, fetzen 
fie den Widerftreit zwifchen den beiden Künftlern um mehr als zwei 
Jahre zu fpät an. Sie erzählen davon unter den Ereigniffen des Jahres 
1508. In diefer Zeit War bereits Raffael in den Kreis der römifchen 
Künftler eingetreten, ein Landsmann Bramantes und in den Augen des 
jüngeren Gefchlechtes gleichfalls feindlich gegen Michelangelo gefinnt. 
Nichts lag näher als ihn in den Streit zu verflechten und Bramantes 
Handlungsweife fo darzuftellen, als hätte diefer in Raffaefs Intereffe 
Michelangelo von dem Grabdenkmal abwendig machen wollen. In Wahr- 
heit fpielt aber diefer Kampf fchon im Frühlinge 1506. Es wurden 
nicht perfönliche Umtriebe in gemein felbftfüchtiger Abficht in das 
Werk gefetzt, fondern grofse fachliche Gegenfatze gegen einander in 
das Feld geführt. Die Peterskirche wurde gegen das Grabdenkrnal 
ausgefpielt. 
Michelangelo verhielt fich zunächft dem Wechfel der Dinge gegen- 
über leidend und ftellte f1ch, als ob fein WVerk einen ungeftörten Fort- 
gang haben werde und haben müffe. Erft als ihn die veränderte Lage 
der Dinge wie ein grober Fauftfchlag traf, entfiammte er in zorniger 
Leidenfchaft und führte fogleich die heftigfte Kataftrophe herbei. Er 
kehrte Rom den Rücken und floh nach Florenz. Nur wenige Tage fpäter, 
als Thatfachen und Daten noch in frifcheiter Erinnerung ftanclen, erzählte 
Michelangelo (in einem Briefe an Giuliano da San Gallo vom 2. Mai) 
die Vorgänge wie folgt: vlch hörte am Charfamftag (II. April) den 
Papit bei Tifche zu einem Goldfchmiede und zum Ceremonienmeifter 
fagen: Er wolle keinen Pfennig mehr hergeben nicht für grofse und 
nicht für kleine Steine. Ich wunderte mich darüber nicht wenig. Doch 
ehe ich mich entfernte, verlangte ich einen Theil der Gelder, deren ich 
bedurfte, um das Werk fortzufetzen. Seine Heiligkeit befchied mich auf 
den Montag. Und fo kam ich denn Montag und kam Dienitag, Mittwoch 
und Donnerftag. Und zuletzt am Freitag Morgen wurde ich hinaus- 
gefchickt, alfo Weggejagt- Und der mich hinausfchickte, fagte, dafs er 
mich wohl kenne, dafs er aber dazu den Befehl hätte. Darüber, was 
ich am Sonnabend gehört hatte und wie ich jetzt die Wirkungen davon 
fah, gerieth ich fchier in Verzweiflung. Doch war diefes nicht die einzige 
Urfache meines Wegganges. Mich vertrieb noch etwas anderes, was 
ich nicht fchreiben will. Genug, dafs ich glauben mufste, bliebe ich länger
        

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