Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529968
NIICHBILANGELOS 
JUGEND. 
und Arbeit; felbft die Furcht, durch Einfeitigkeit zu übertreiben und an 
das Häfsliche zu Prreifen, {chreckte fie nicht ab. Lieber unfchön als 
unwahr, war der Wahlfpruch einer Reihe hervorragender Maler. So 
durften die Horentiner Künltler am Ausgange des ]ahrhunderts die 'voll- 
kommene Herrfchaft über die äufsere Formenwelt behaupten. Und mehr 
noch als diefes. Während die einen die materiell-technifchen Vorgänge 
bis zur Virtuofität auszubilden fuchten, bemühten {ich andere, das Recht 
der Phantafie an die malerifchen Darftellungen feftzuhalten, den künft- 
lerifchen Gehalt der letzteren zu fteigern. Noch bewahrte der aus der 
chriftlichen Vorzeit überlieferte Bilderinhalt feinen vollen Werth. Zu den 
Madonnen" blickte andächtiger Sinn empor, aus den biblifchen und legen- 
"darifchen Gefchichten zog noch die erbauliche Lehre ihre Nahrung. 
Trotzdem hätte den Maler allgemeiner Tadel getroffen, deffen Anfprüche 
nicht weiter gegangen wären, als die Frömmigkeit anzuregen. Der 
Glaube der alten Griechen, das Maafs der höchften Schönheit gebühre 
den höchften Göttern, lebte auch bei den Italienern im fünfzehnten Jahr- 
hunderte und band den Künftlern die Pliicht ein, bei der Bildung der 
religiöfen Ideale ihre fchöpferifche Kraft zu offenbaren. Liebreiz und 
Anmuth umfpielt die Geftalt der Madonna, Luft und Wonne athmen die 
Züge des Chriftkindes, fo dafs auch die rein mexifchliche Empfindung 
bei dem Anblicke des Bildes erglüht. Den Marterfchilderungen entzieht 
die milde Phantafle das Grauenhafte und nimmt formenbegeiltert von 
ihnen gerne Anlafs, der Schönheit  nackter Körper zu huldigen. Aus- 
gewählte Geftalten voll markigen Lebens führen die Thaten aus, von 
denen die heiligen Bücher erzählen. Den Helden der Handlung, deren 
ergreifender dramatifcher Kern dem Auge blofsgelegt ift, umPceht kein 
untergeordneter Haufe müfsiger Figuren; auserlefene Geftalten, wirkfam 
gruppirt, begleiten den Vorgang mit beweglicher Spannung, leiten die 
ftiirmifche Leidenfchaft der iHauptperfonen in die ruhige Empfindung 
über und laffen fie austönen in menfchlicher Theilnahme. Der Chor der 
antiken Tragödie ili in ihnen wirkfam "erftanden. Sonntagsmenfchen, 
wie fie uns hier vorgeführt werden, verlangen, dafs auch ihre Umgebung 
an einen Feiertag des Lebens erinnere. In der That prangen auch die 
Baulichkeiten des Hintergrundes im feftlichen Schmucke, es blickt das 
Auge auf  lachende Gefilde, weite fruchtbare Landfchaften, fchön ge- 
fchwungene Berge. Und dennoch, fo grofsen Genufs die Werke der 
Florentiner und der ihnen verwandten Maler auch bieten, fcheiden wir 
von ihnen mit der Empfindung, dafs fie das Höchfte der Kunft nicht 
erreicht haben, eine weitere Entwickelung bis zum vollendeten Ideale 
noch immer als Aufgabe den Künftlern vorfchwebte. Ihre NVerke find
        

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