Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531398
DAS GRABMAL DES PAPSTES. 147 
niCht wenig ein. Die für das Grabmal beftimmten 10,000 Ducaten 
konnten für den Bau der Peterskirche beffer verwendet werden. 
Und dafs die Peterskirche dem l-Ierzen des Papftes näher lag als 
das Grabmal, kann nach feinen bekannten Gefmnungen nicht befrernden. 
Die Vorliebe für das Gewaltige und Rieflge auch im Kreife der Kunft 
 ßmagnarum semper molium avidusa heifst es von ihm  wurde 
zwar durch Michelangelds Werk befriedigt; doch galt diefes nur feiner 
perfönlichein Verherrlichung, während die grofsartige Erneuerung der 
vaticanifchen Bafilika der Kirche einen glänzenden Triumph verfprach. 
Nun war es aber die Weife _]ulius' II., feinen Blick ftets mehr auf das 
Allgemeine, den Staat oder die Kirche Umfaffende zu richten, als auf 
die einzelnen perfönlichen Intereffen. Er war ruhmbegierig aber nicht 
Eh Nicht fchwer konnte es daher fallen, ihn von dem alten Vorhaben 
abzubringen. Auch wenn er es nicht von übler Bedeutung hielt, fich 
TChOH bei Lebzeiten fein Grab zu beftellen, mufste ihn der Petersbau 
mehr locken. Michelangelo aber glaubte er nicht allzuftark zu fchädigen, 
da diefem ja die Ausmalung der Decke in der Sixtinifchen Kapelle 
übertragen wurde. Ob als Erfatz für die verfchleppte Arbeit am Denk- 
male oder 0b gleichzeitig mit dem Grabmonumente  denn 'v0n Michel- 
äflgelo durfte man fich auch fchon damals einer bedeutenden malerifchen 
Leiftung verfehen  wiffen wir nicht. 
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Durch die Entfcheidung des Papiles wurde ein feindfeliger Gegenfatz 
zwifghen Michelangelo und Bramante geweckt, welqher in der Gefchichte 
bis zu diefer Stunde nachhallt und nicht wenig dazu beigetragen hat, 
Bfämantes Andenken zu verdunkeln. Die Biographen Michelangelds 
511d gleichzeitig die Hauptquellen für die römifche Kunft des fechzehnten 
Jahrhunderts, ihre Berichte für das Urtheil vielfach mafsgebend. Die- 
fßlben haben natürlich für Michelangelo in diefer Sache Partei genommen. 
C0ndivi befitzt davon Kunde, dafs zwifchen dem Plane des Grabdenkmales 
uE-dem Entfchluffe, die Peterskirche neu zu bauen, ein gewiffer 
Zusammenhang befland. Er berichtet von dem Vorhaben, das Grab- 
denkmal in der neuen Tribuna aufzuflellen und erzählt sodann folgendes: 
lNaChdem der Papit den Baumeifter San Gallo und den Bramante ge- 
fchickt hatte, den Ort zu beflchtigen, kam ihm darüber die Luft an, die 
ganze Kirche neu zu bauen. Auf diefe Weife wurde Michelangelo die 
Urfache, fowohl dafs diefer fchon begonnene Theil des Baues beendigt 
Wurde, als auch, dafs in dem Papfte das Verlangen llClI regte, das 
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