Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531388
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IV. ROM UNTER IULIUS II. 
ficht des Künftlers. Nichts wird vergeffen; die wünfchenswerthe_Qualität 
der Marmorblöcke, ihre Zahl, ihre Gröfse und das Maafs der Bearbeitung, 
die Art des Transpoftdsii die Zahlungsweife forgfaltig befiimmt. Es 
wird aber Eichzeitig die Ungiltigkeit des Contractes ausgefprochen, 
nicht blofs im Falle der Papft fterben, sondern auch im Falle er den 
Plan des Grabmales aufgeben follte; denn, fügt Michelangelo hinzu, ich 
brauche diefe Marmorblöcke nur für den Papft. Acht Monate blieb 
Michelangelo in Carrara. Im Januar I_506 war er bereits wieder in Rom 
und harrte in feinem Haufe auf dem Petersplatze fehnfuchtig auf die 
Ankunft der Marmorblöcke, Welche durch fchlechtes Wetter und hohen 
Wafferftand ungebührlich verzögert wurdefä) Dafs er noch immer nicht 
arbeiten könne, prefst ihm eine bittere Klage ab, doch hofft er den 
leicht ungeduldigen PapPt zu befchwichtigen und bei guter Laune zu 
erhalten. Von diefer hoffnungsvollen Stimmung legt auch Zeugnifs ab, 
dafs er in demfelben, an feinen Vater gerichteten Briefe um die Zufendung 
der in Florenz zurückgelaffenen Zeichnungen bittet und die baldige 
Ankunft eines Steinmetzgehilfen, des Michele aus Settignano, erwartet. 
Er fah {ich alfo im Geifte bereits feft in Rom angefledelt und vollauf 
an dem Marmorwerke in Arbeit. Wie fchlimm wurde er fchon nach 
wenigen Wochen enttäufchtl 
Als der Papft den Plan zu feinem Grabdenkmal gefafst hatte, liefs 
er gleichzeitig auch den betten Platz für dasfelbe vorfchlagen. Als folcher 
wurde, da in der alten Peterskirche der Raum mangelte, die von Roffelino 
im I5. Jahrhundert begonnene neue Tribuna auserfehen. Doch mufste 
diefe erft vollendet und mit dem alten Bau in Verbindung gebracht 
werden. So kam die Angelegenheit in die Hände der Architekten. 
Ein Gedanke gab den andern, ein Plan gebar immer einen neuen und 
glanzenderen. Vollends als der Papi": Bramantes Entwürfe fah, die ein 
fo grofsartiges, die Herrlichkeit der Antike noch überftrahlendes Werk 
verfprachen, gerieth er für das neue Unternehmen, ganz feiner Natur 
gemäfs, in Feuer und Flammen. Schon im Winter 1505, als Michelangelo 
noch in Carrara weilte, hatte Julius II. den Entfchlufs des Neubaues 
gefafst, im Januar 1506 denfelben als feftftehend dem Könige Heinrich VII. 
von England verkündigt. Dadurch trat aber der Plan des Grabdenk- 
males nothwendig in den Schatten. Nicht allein, dafs der für das 
Monument beftimmte Platz aus dem Dafein geftrichen worden war und 
die Aufitellung desfelben in eine unendliche Ferne verfchoben werden 
mufste, fchränkte die neue Unternehmung die Geldmittel des PapPtes 
Milanefl, 
Lettere 
III.
        

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