Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531315
DIE 
RENAISSANCE 
ROM. 
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der Knechterr feit Menfchengedenken eingeräumt war, zu Wahren. Seit- 
dem das Kaiferthum verfallen und zur Machtloügkeit verurtheilt war, 
hatte auch die päpftliche Würde ihr weltbeherrfchendes Anfehen verloren. 
Zum Glücke, dafs der gläubige Sinn von dem Papftthum {ich noch nicht 
abgewendet hatte und fein materieller Befitz ihm eine gewiffe Kraftent- 
faltung inmitten der eiferfüchtigen, in fleter Fehde begriffenen italienifchen 
Staaten geftattete. Mit grofser Gewandtheit fchüttelte es die mittelalter- 
liche Tradition auch in politifcher Beziehung ab, verwandelte fich in ein 
weltliches italienifches Fürftenthum und betrieb mit leidenfchaftlichem Eifer 
die__Gründi1ng einer Hausmacht, ähnlich wie {ie die anderen Dynaftien in 
Italien anftrebten. Es kamen die Zeiten eines Sizgtus Rovere und Ale- 
xander Borgia. Die Ziele diefer rait- und ruhelofen Männer Pcimmten zwar 
mit der allgemeinen Geiftesrichtung überein, widerfprachen aber in empfind- 
lichPter Weile den überlieferten und geheiligten Grundlagen des Papft- 
thums. Es galt, die F amilienmacht zu Pceigern; es gab aber keine 
legitime Papflfamilie. Unter den Angehörigen der Päpfte konnte man 
nur Nepoten oder wohl gar Papltföhne verftehen, Perfonen, deren angeb- 
liches Recht, ja deren Dafein dem Papftthume geradezu Hohn fprach. 
Eine fo arge Verkehrung {ittlicher Verhältniffe mufste zum Fluche wer- 
den, alle Handlungen arteten unter der Laft derfelben zu rohen Gewalt- 
fchlägeii aus, das ganze Leben verlor den inneren Halt und den fePcen 
Kern. Wenn man die Zuftände und Sitten Roms im letzten Viertel des 
fünfzehnten Jahrhunderts beobachtet, möchte man fchier glauben, bei dem 
Wegräumen des mittelalterlichen Schuttes fei die oberfte Schichte der 
Antike, das römifche Cäfarenthum, entblöfst worden und mit diefem alle 
bis dahin in die Erde gebannten Dämonen wieder frei geworden. Alle 
Gräuel der Imperatorenzeit: Mord, Treubruch, Verfchwörungen, Blut- 
fchande, blinder Taumel vom üppigften Lebensgenuffe zur frevelhaften 
Verfpottung aller Dafeinsmächte, die entfetzliche Mifchung von Wolluft 
und Graufamkeit tauchen empor und erfüllen die römifche Luft. Die 
Zeitgenoffen dachten weniger ftreng von dem weltlichen Treiben der 
Päpfte, als wir Nachgeborenen. Dafs aber die eingefchlagene Richtung 
nicht zum Ziele führen könne, wurde auch ihnen bald klar. Die Nepoten 
jedes folgenden Papftes waren die natürlichen Gegner der alten Nepoten, 
durch jeden neuen Papft erfchien der eben errungene Machtzuwachs in Frage 
geftellt. Da war es ein grofser Gedanke und der Gedanke wurde zu einer 
Weltgefchichtlichen That, als der am I. November 1503 neu gewählte Papft 
Irulius II. Rovere als Erben der politifchen Macht nicht wechfelnde Per- 
fonen, fondern eine dauernde Inftitution, nicht Nepoten, fondern den Kirchen- 
ftaat felbft einfetzte. Er brach nicht mit der politifchen Richtung feiner
        

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