Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531241
132 III. DIE MADONNEN RAFFAELS. 
Adonis pulfirt, zeigen die krampfhaft gezerrten Finger und Zehen, das 
fagen das behutfame Auftreten der Träger, die gefpannten Blicke der 
Beiftehenden und offenbart vor allem die bgemifchte Empfindung der über 
den Körper {ich niederbeugenden Frau. Von leidenfchaftlichem Schmerz 
wird fie gepackt, gleichzeitig aber laufcht fie auch ängfilich, ob nicht 
doch der Lebensfunke noch glirnme und {ich wieder entzünden laffe. 
Endlich aber fehlt die nothwendige Verbindung zwifchen dem vTode 
des Adonisa und den anderen Entwürfen zur Grablegung. Keine Gruppe, 
keine Geftalt, keine Form kommt auf der letzteren iror, zu welcher die 
Adoniszeichnung den Anitofs gegeben hatte; find fcheinbar ähnliche 
Bewegungen und Stellungen vorhanden, fo find es folche, welche auf 
jedem Bilde der Grablegung typifch wiederkehren und von Raffael 
älteren Darftellungen derfelben entlehnt werden konnten. Die älteren 
Darftellungen gaben ihm zugleich die Richtfchnur für die Anordnung 
der Hauptgruppe. Auf den mittelalterlichen Bildern und Kupferftichen 
des fünfzehnten Jahrhunderts fpielt die Scene {iets in unmittelbarer Nähe 
des Steinfarges, in welchem Chriftus beigefetzt werden follte. Da war 
nicht mehr die fortfchreitende Bewegung der Träger am Platze, der eine 
derfelben mufste vielmehr fich umwenden, gegen den anderen Träger 
kehren, damit der todte Körper ohne Anftofs in den Sarkophag herab- 
gelaffen werden könne. Mantegna und Raffael blieben alfo der Tradition 
treu; das Ungewöhnliche bei ihnen liegt darin, dafs der Zug noch in 
Bewegung zur Gruft und nicht {tillhaltend zur unmittelbaren Beifetzung 
im Grabe gedacht wird. Auf keinen Fall bedurfte es vieler Zwifchen- 
Hufen, um {ich endlich für die gewählte Anordnung der Hauptgruppe 
zu entfcheiden. Sie war in dem Augenblicke fchon gegeben, in welchem 
an die Stelle der ßClCPOiitiOQ die vtumulacioa, um den kirchlichen Sprach- 
gebrauch zu wiederholen, trat. Die Betrachtung älterer Darftellungen, 
das Studium Mantegnas geben den Anftofs zu neuen Entwürfen für 
Atalante Baglionfs Bild. Zunächft zeichnete er nach dem nackten Modell 
die Träger des Leichnams  um jeder Bewegung vollkommen Herr zu 
werden. Dasfelbe that er mit dem Oberkörper Chrilti. Beide Blätter 
bewahrt die Oxforder Univerfität. Mit der gleichen Sorgfalt bereitete er 
die Nebengruppe der ohnmächtigen Madonna vor. Ihm lag auch hier nament- 
lich die Richtigkeit der Bewegungen am Herzen und er fuchte {ich zunächft, 
wie eine Federzeichnung bei Malcolm zeigt, durch genaue anatomifche 
Studien darüber Klarheit zu verfchaffen. (Fig. 46.) Dann aber führte 
er (Florenz; Br. 508) die Hauptgruppe in vollfländig bekleideten Figuren 
und 
Fisher 
Facflmiles
        

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