Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531220
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DIE 
MADONNEN 
RAFFAEDS. 
mächtige, von Frauen unterftützte Maria als felbftändige Nebengruppe 
behandelt. Schon diefe Verwandtfchaften laffen einen Zufammenhang 
zwifchen beiden Werken ahnen. Dazu kommt, dafs Raffael jedenfalls 
frühzeitig Mantegnas Compofition kannte. Denn auf dem Louvreblatte 
erfcheint die Geftalt des händefaltenden Johannes der gleichnamigen 
Figur auf dem Stiche Mantiegnas nachgebildet. Die Kenntnifs, das 
Studium des pataviner Meifters fleht demnach feft. Mufs nun nicht auch 
der weitere Schlufs gezogen werden, dafs der fleifsig {tudirte Stich den 
Anlafs gab, alle bisher gemachten Entwürfe bei Seite zu fchieben und 
eine neue Compofition zu beginnen, für welche nun Mantegnas Werk 
das Vorbild abgab? Die Aehnlichkeiten find zu zahlreich, als dafs ein 
erheblicher Zweifel gegen diefe Annahme fich begründen liefse. Schliefst 
{ich aber die Compofition nach dem neuen Vorbilde unmittelbar an die 
Skizze an, Welcher Peruginds ßDCpOi-IÜOK als Mufter zu Grunde lag, 
oder hat der künftlerifche Gedanke erPc mehrere Zwifchenltufen durch- 
gemacht, ehe er {ich bei Mantegnas Schilderung beruhigte? Die Oxforder 
Sammlung bewahrt unter ihren Raffaelfchätzen eine feit Crozafs und 
Mariettes Zeiten hochberühmte Federzeichnung, welche vielfach als eine 
folche Zwifchenftufe angefehen wurde. Diefe Vermuthung, bereits von 
Mariette angedeutet, erregt nicht geringes Intereffe, da fie, falls fie flch 
beftätigte, zugleich das erfte Beifpiel des Studiums der Antike lieferte. 
Anklänge an antike Sarkophagreliefs, welche die Beftattung Hector's 
oder Meleagefs darftellen und fich, wie die Anführung bei Leo Battifta 
Alberti zeigt, eines frühen Ruhmes erfreuten, liefsen {ich fchon heraus- 
Ünden, wenn fie auch nicht ftärker {ind als die Erinnerungen an Signo- 
relli's Pieta in Orvieto. Aeufsere und innere Gründe weifen aber das 
Oxforder Blatt, unter. dem Namen Tod des Adonis Weltbekannt, aus 
der Reihe der Entwürfe izu einer Grablegting zurück. Auf der Rückfeite 
des Blattes ift Adam und Eva dargeftellt. Dafs Marcanton diefe Zeich- 
nung in Rom geftochen hat, giebt über die Zeit ihrer Entftehung keine 
Auskunft. Zeichnungen Hattern leicht aus einer Stadt in die andere. 
Dagegen fallt {tark der fchon von Ottley beobachtete Eintlufs der Fresco- 
malerei auf die in den Geitalten Adam's und Evas beobachtete Zeich- 
nungsmanier auf ; mit diefer {timmt aber der Tod des Adonis vollkommen 
überein. Hat man überhaupt das Recht, von dem Tode, dem Begräbnifs 
des Adonis oder Chrifti im Angeflcht des Blattes zu reden? Kein 
Todter wird begraben, fondern ein Sterbender unter dem Geleite der 
Freunde heimgetragen. Dafsi noch Leben in dem Körper des fogenannten 
Robinfon 
Critical 
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164'
        

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