Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529943
MICHELANGPILUS 
JUGEND. 
und eifriger Pflege der Künfte. Das goldene Zeitalter von Florenz 
beginnt mit der Wiederkehr der OptimatenherrfchaftIunter der Leitung 
des Mafo Albizzi, nachdem die blutgetaufte demokratifche Bewegung 
1578 vollPcändig gefcheitert war. Cofimo verftand es nur beffer als die 
meiflen Zeitgenoffezi, die idealen Kräfte feiner Heimath im Intereffe der 
Hausmacht auszunutzen und die Förderung des Gemeinwohles mit hohen 
Zinfen zu Gunften des Idamilienruhmes zu belaften. Solche Klugheit 
war nicht die Sache Savonarolas. Die herbe Strenge, mit welcher er 
gegen das tolle Carnevalstreiben, gegen Mummenfchanz und andere Eitel- 
keiten des Lebens kämpfte, liefs die Meinung aufkommen; als wäre er 
jeder Lebensfreude, jeder poetifchen Empfindung abhold. Von der An- 
klage des Kunfthaffes mufs der kühne Reformator freigefprochen werden. 
Doch bleibt die Thatfache aufrecht, dafs feit feinem Auftreten der Glan7 
des alten Florenz zu bleichen beginnt. Die Pilorentiner glaubten fich 
noch eine Zeit lang frei, weil fie fich in fieter Aufregung befanden, aber 
bereits klopfte das unerbittliche Schickfal an die Pforten, um fchliefslich 
eine grofse Republik in ein kleines Fürftenthum zu verwandeln. Im 
Jahre 1490 legte Domenico Ghirlandajo die letzte Hand an den F resco- 
fchmuck im Chor der Kirche Sta. Maria Novella, das fchönlte Werk der 
Horentiner Lokalkunfi. Zum Andenken an diefes Ereignifs wurde eine 
Infchrift angebracht, welche das Jahr der Vollendung als die Zeit pries, 
in welcher die herrliche Stadt den Reichthum und Siegesruhm, die Fülle 
des Friedens und der Künite in vollftem Maafse geniefse. Solches Lob 
konnte von keinem fpäteren Jahre mehr behauptet werden. Es fank 
der Reichthum, es winkte kein fröhlicher Sieg mehr, es liefs auch die 
Kraft für grofse künftlerifche Unternehmungen nach. Den wichtigften, 
den unbedingt erften Schauplatz der italienifchen Kunft bildet fortan Rom. 
Das Kunftvermögen Roms ifi jedoch kein felbfterworbenes. Rom 
ltritt im Anfange des fechzehnten Jahrhunderts nur die Erbfchaft an, 
welche die florentiner Betriebfamkeit angefammelt hatte. Nach Rom 
ruft und lockt es unwiderfiehlich alle Künftler; das römifche Alterthum 
flöfst ihnen wohl zunächfl ehrfurchtsvolle Scheu ein, es lähmt aber nicht 
ihre Kräfte, fpornt fie vielmehr zu höchfler Anftrengung. Sie würden 
dennoch für die Löfung der neuen, ihnen in Rom auferlegten Aufgaben 
unzulänglich geblieben fein, wenn nicht die Horentiner Schule ihre Fähig- 
keiten zur Meifterfchaft entwickelt hätte. Denn Rom weckte wohl die 
Begeifterung und hob den Sinn, aber eine unmittelbare Kunfttradition 
befafs es nicht. Ein Jahrtaufend fchob {ich zwifchen die Gegenwart und 
das von den Künftlern gepriefene Ideal. Diefem eine lebensvolle Geftalt 
zu verleihen, dazu bot nur die florentiner, von Gefchlecht zu Gefchlecht
        

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