Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531187
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DIE 
MADONNEN 
RAFFAELS. 
auch guten Auffchlufs über den Ausgangspunkt, von welchem aus die 
Compofition {ich entwickelt und weiter bewegt. Die erPcen Gedanken 
undbEntWürfe der Grablegung fallen in eine Zeit, in welcher Raffael 
feine Bilder noch in den Rahmen älterer Compofitionen zu fpannen pflegte. 
Diefe Befchränkung "war fchwerlich immer freiwillig und mufste nicht 
nothwendig und in jedem Falle dem Mifstrauen in die eigene Erfindungs- 
gabe entfpringen. Vielfach war an die Beftellting gleich die Bedingung, 
f1cl1 an ein älteres berühmtes Vorbild zu halten, geknüpft. S0 verwiefen 
die Nonnen von Monteluce bei Perugia, als fie im Herbst 1505 Raffael 
ein Altarbild  die erft nach feinem Tode vollendete Krönung Maria, 
jetzt im Vatican  in Auftrag gaben, diefen auf die (von einem 
Florentiner gemalte) Krönung Maria in der Zoccolantenkirche in Narni 
als ein nachahmungswerthes Mufter. Aehnliches hat gewifs auch bei der 
Beftellung der Nladonna Anfidei ftattgefunden, und fo mag Madonna 
Atalante Baglioni dem jungen Künftler ebenfalls das Studium eines 
älteren Vorbildes empfohlen haben. Sicher ift, dafs Raffael, als er flch 
mit feiner Aufgabe zu befchäftigen begann, feine Blicke zuerft auf ein 
Vlferk feines Lehrers in der Kirche Sta. Chiara in Florenz richtete. Dort 
hatte Pietro Perugino 1495 eine Klage um den Leichnam Christi, eine 
depolitio, in_ Oel gemalt, welche schon die Zeitgenossen wegen der 
ergreifenden Wahrheit der Schilderung, des fchönen Farbentones und 
deriianmuthigen Landfchaft im Hintergrunde überaus rühmten, und welche 
auch jetzt noch unter den Schätzen der Pitti-Galerie eine hervorragende 
Stellung einnimmt. ChriPci Leichnam ruht auf einem erhöhten Steine, 
umgeben von Jofeph von Arimathia und den heiligen Frauen, die theils 
d'en Körper und das Haupt des Todten Pcützen, theils mit einem letzten 
Blicke und einer letzten Berührung von ihm Abfchied nehmen. Ueber 
diefe Gruppe erhebt lieh, die Arme in wildem Schmerze ausbreitend, 
Maria Kleophas, während rechts der handeringende Johannes und noch 
zwei andere in der Empfindung. tief bewegte Perfonen das Bild 
abfchliefsen, und auf der Gegenfeite zwei Freunde des Toclten in Pciller 
Theilnahme die Trauerfcene betrachten. Sowohl nach der Anordnung 
des Ganzen, wie nach der Durchbildung der Einzelgeftalten, gehört das 
Werk zu den besten, welche der Lehrer Raffaels gefchaffen hat. Von 
diefer ßKlager nun nahm Raffael den Ausgangspunkt für feine Grab- 
legung. Er hältyan der Gliederung des Gegenftandes feft. Den Vorder- 
grund nimmt der liegende Leichnam Chrifti ein, umgeben von den 
knieenden Frauen, zu beiden Seiten Pcehen dann die theilnehmenden, 
trauernden Freunde und Jünger des Todten. Diefer Daritellung 
begegnen wir in einer Reihe von Blättern, die fonft in Einzelheiten
        

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