Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531142
I22 
DIE 
MADONNEN 
RAFFAEDS. 
niftifch gebildeten höfifchen Kreifen auf Beifall rechnen durften. Allegorifche 
Darftellungen erfreuen {ich der gröfsten Beliebtheit. In diefen konnte 
nicht allein der Scharfflnn der Erfinder glänzen, fondern auch die zu 
Perfonificationen verflüchtigten Götter geifireich verwerthet werden. Es 
ifi nicht zufällig, dafs folche allegorifche Bilder in Oberitalien, im Gefichts- 
kreife der Univerlität Padua die beite Aufnahme fanden, und dafs mytho- 
logifche und allegorifche Schilderungen am frühefien und häufigften durch 
die in Oberitalien blühende Kupferftichktinlt verkörpert wurden. Der 
Kupferftich verhält fich gegen den gelehrten Tieffmn durchaus nicht 
fpröde, nimmt willig einen doctrinären Beigefchmack an und legt nach 
feiner ganzen Natur auf die vlnventiom das gröfste Gewicht. Doch 
auch bei einzelnen Gemälden Weifi der Inhalt auf die wpoetica invenzionee 
irgend eines gelehrten Humanifien hin. Als Beifpiele mögen Mantegnas 
Parnafs und Vertreibung der Lafier und Lorenzo Cofials Mufenhof im 
Louvre, oder in einem näheren Kreife Peruginds Sieg der Keufchheit 
über die Wolluft im Louvre dienen. Den. Gegenitand zu letzterem Bilde 
hatte der Humanift Paris Cerefata in Mantua angegeben. Auch Raffael 
hatte in früher Jugend diefer gelehrten Kunftrichtung den gebührenden 
Zoll entrichtet. Offenbar ifi das kleine reizende Bildchen in der Londoner 
Nationalgalerie, gewöhnlich der Traum des Ritters betitelt, von 
einem Humaniften infpirirt wordenili) Ein Jüngling, vollftändig gerüftet, 
den Helm auf dem Kopfe, fchläft unter einem Lorbeerbaunie. An feinem 
Haupte fteht eine Frau, in Violet und Purpur gekleidet, und hält über 
den Schlafenden ein Schwert und ein Buch, während zu feinen Füfsen 
eine andere zierlichere Dame mit wehendem Haare, einer Korallenfchnur 
als Halsfchmtick, das rothe Gewand (mit blau gewäffertern Mieder) in 
reiche Falten gelegt, ihm einen Myrthenzweig darbietet. Tapferkeit und 
Weisheit winkt dem Träumer auf der einen, holde Liebe auf der anderen 
Seite. Schwerlich ift in dem trefflich erhaltenen (auch die ausgeführte 
Zeichnung dazu belitzt die Nationalgalerie, Fig. 44) Bildchen Hercules 
am Scheidewege gemeint. Dann hätten die Gegenfätze zwifchen den 
beiden Frauen anders gegriffen werden müffen. Immerhin mochten aber 
dem unbekannten Dichter unter den weiblichen Geftalten Minerva und 
Venus vorfchweben und dürfte die Deutung, dafs der Jüngling zwifchen 
dem Reiche der einen oder der anderen zu wählen habe, den Sinn der 
Darflellung 
treffen. 
 Stich von L. Gruner. Skizze für 
die zwei {lehenden Figuren in Weimar. 
M) Ueber Hercules am Scheidewege 
und die antiken Schildemngen diefer 
Scene vgl. W e 1 c k e r, Alte Denkm. III, 
Tiaf. 20.
        

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