Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1531082
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DIE 
MADONNEN 
RAFFAEDS. 
Werke RaffaeTs, der Freske in S. Maria della pace in Rom, copirt, eine 
Bequemlichkeit, welche auf einen Schüler fchliefsen läfst. Die allgemeine 
Anordnung der Madonna auf dem erhöhten Throne mit den vier Heiligen 
zur Seite und den kleinen Engeln zu Füfsen des Thrones fallt aber noch 
unzweifelhaft in die Horentiner Periode. F ra Bartolommeo wie Andrea 
del Sarto ift diefe Compofltion geläufig gewefen. Vollends mit der 
Kunftweife Fra Bartolommeds eng verwandt und als eine Frucht des 
befreundeten Zufammenwirkens aufzufaffen ift die Geftalt des Apoftels 
Petrus links vom Throne neben einem heiligen Mönche. Die Haltung 
und Stellung desfelben, der Wurf des Gewandes entfpricht vollkommen 
demiFormenfinn des älteren Freundes und könnte geradezu eine Täufchung 
hervorrufen, wenn nicht das Chriltkind auf dem Schoofse der Madonna, 
das mit der einen Hand nach der Mutterbruit greift, mit der anderen 
fein Füfschen fpielend fafst, dabei den Kopf liebevoll den Heiligen zu- 
wendet, {ich als das untrügliche Eigenthum Raffaefs erwiefe. 
Die Reihe der florentiner Madonnen Raffaefs ift noch lange nicht 
erfchöpft. Auch wenn man von jenen Gemälden abfieht, welche der 
Wunfch der Befitzer allein auf Raffael zurückführt und als feine perfön- 
lichen Thaten preift, treten mehrere Gemälde und namentlich zahlreiche 
Zeichnungen zu den angeführten Werken ergänzend hinzu. In einzelnen 
Fällen entwarf Raffael die Compofition und überliefs die Ausführung in 
Farben feinen Schülern. Begreiflicher Weife kommen gerade folche 
Bilder in vielen Exemplaren vor. Auf der vom Meilter gefchaffenen 
Grundlage konnte das jüngere Künftlergefchlecht mit Leichtigkeit grofse 
Erfolge erringen. Noch {tattlicher ift die Zahl der Madonnenbilder, welche 
{ich blofs in der Form rafch auf das Papier gezeichneter Skizzen erhalten 
haben, niemals zur malerifchen Ausführung gelangten. Jedes Madonnen- 
motiv erfcheint hier wiederholt durchgearbeitet, für die Madonna mit 
dem Buche, für die Madonna, Welche ihr Kind herzt, an {ich prefst, mit 
ihm fpielt, bald fitzend, bald ftehend, bald neben ihn knieend, entdeckt 
man die verfchiedenartigften Varianten. Zuweilen bilden diefe Zeichnungen 
die einzelnen Strahlen, welche fchliefslich zufammenfchiefsen und zu einer 
endgiltigen für die Ausführung beftimmten Zeichnung führen. Viel häufiger 
aber {ind {ie als ein Ueberfchufs der Phantafle zu betrachten, welche 
das einmal angefchlagene Thema in immer neuen Wendungen und leifen 
Aenderungen fpielend wiederholt und {ich frohgemuth in folchen freien 
Uebungen ergeht. Mehr noch als die ausgeführten Madonnenbilder geben 
uns die Madonnenfkizzen das Recht, in diefem Kunßkreife den Mittelpunkt 
der Thätigkeit Raffaefs in Florenz zu begrüfsen. Seine Arbeiten greifen 
weiter und umfaffen noch andere Aufgaben. Während aber z. B. die
        

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