Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bis zum Tode Julius II.
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529639
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1530862
DIE 
MADONNEN 
RAFFAELS. 
Sicherheit der eigenen Lage zu gewinnen. Wenn in der Madonna viel- 
leicht noch der ältere umbrifche Typus anklingt, fo offenbart dagegen 
das Kind fchon eingehende Naturfiudien und einen liebevollen frifchen 
Blick für das umgebende Leben. Das Blatt verdient eine befondere Auf- 
merkfamkeit, da in demfelben die beiden frühePcen Florentiner Madonnen 
Raffaefs wurzeln, die Madonna del Granduca und die in Panshanger be- 
wahrte Madonna des Lord Cowper. In der Stimmung und allgemeinen 
Haltung, in der Anordnung des Mantels der Maria geht die Madonna 
del Granduca mit der Zeichnung zufammen, dagegen kehrt das Chrift- 
kind der Skizze in der Madonna Lord Cowperis wieder. Beide Gemälde 
lind organifche Schöpfungen und nicht etwa durch mechanifche Theilung 
der Zeichnung entftanden. Diefe bildet nur den Keim, in welchem noch 
unentwickelt beifammen liegt, was die weitere und tiefere Thätigkeit der 
Phantafie für {ich felbftändig macht. Die Madonna del Granducat"), 
fo benannt, weil fie ehemals in den Gemächern des Grofsherzogs von 
Toscana prangte, gehört jetzt zu den gröfsten Zierden der Pitti-Galerie. 
Mit leichter Farbe gemalt, überaus fein modellirt, feffelt das Gemälde 
vor Allem durch die noch halbverhüllte Schönheit der Madonna, die faft 
kaum die Augen aufzufchlagen und an dem Kinde fich nur hold ver- 
fchämt zu freuen wagt. Diefes felbft, von der Mutter mit beiden Händen 
feftgehalten, nach aufsen blickend, befitzt fchon ganz den Liebreiz, der 
feitdem allen Raffaeffchen Kindergeftalten innewohnt. (Fig. 34.) 
Die Madonna des Lord Cowper in Panshangerifig), am Ende 
des vorigen ]ahrhunderts in Florenz erworben, macht noch mehr als die 
Madonna del Granduca den Eindruck einer geiftreichen Improvifation, in 
welcher die zu einem leuchtenden Gefammtton geliimmte, in den Ge- 
wandern lafirte Farbe {tets gleich zeichnend aufgetragen wird. Auf einer 
Steinbank in einer freundlichen Landfchaft  die Madonna del Granduca 
hat einen einfarbigen dunklen Hintergrund  fltzt die Madonna mit dem 
Chriftkinde, welches auf den Schoofs der Mutter emporgeklettert ift, den 
einen Fufs auf die Hand der Madonna geftellt hat, fie umhalft und dabei 
aus dem Bilde herausblickt, als wollte es den Befchauer zum Zeugen 
feiner fröhlichen Zärtlichkeit machen. 
Geradezu unerfchöpflich erfcheint diefes Motiv, überaus fruchtbar an 
mannigfachen Wendungen und Bewegungen, welche aber alle in dem 
Ausdrucke zärtlicher Mutterliebe {ich vereinigen. Auch die Befteller 
werden offenbar nicht müde, die liebliche Scene des traulichen Vereins 
von Mutter und Kind zu bewundern. Zu lwiederholten Malen kam Raffael 
Stich 
VOII 
Morghen. 
Stich 
VOIl 
Mandel.
        

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