Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526991
Das 
W cscn 
des 
Dichters. 
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Goethe erwiderte: "Das Aufserordentliche, was solche 
Menschen leisten, setzt eine sehr zarte Organisation 
voraus, damit sie seltener Empfindungen fähig sein und 
die Stimme der Himmlischen vernehmen mögen. Nun 
ist eine solche Organisation im Konflikt mit der Welt 
und den Elementen leicht gestört und verletzt, und wer 
nicht, wie Voltaire, mit grofser Sensibilität eine aufser- 
ordentliche Ziihheit verbindet, ist leicht einer fortgesetzten 
Kränklichkeit unterworfen. Schiller war auch beständig 
krank." 
Diese Krankheit Schillers wollte Goethe nun freilich 
nicht als eine Förderung de1' Poesie hinstellen. Der Gärtner 
erklärt vielleicht, dafs ein angekränkelter Apfelbaum die 
besten Früchte trage, aber der ernstlich kranke Baum 
hat keinen Wert mehr. Als Goethe Tiecks Kritik des 
,Wallenstem' vor sich hatte, äufserte er: 
„Die meisten Stellen, an welchen Tieck etwas aus- 
zusetzen hat, nnde ich Ursache, als pathologische zu 
betrachten. Hätte nicht Schiller an einer langsam 
tötenden Krankheit gelitten, so sähe das alles ganz 
anders aus. Unsere Korrespondenz, welche die Umstände, 
unter welchen ,W"allenstein' geschrieben worden, aufs 
deutlichste vorlegt, wird hierüber den wahrhaftDenkenden 
zu den würdigsten Betrachtungen veranlassen und unsere 
Asthetik immer inniger mit Physiologie, Pathologie und 
Physik vereinigen, um die Bedingungen zu erkennen, 
welchen einzelne Menschen sowohl als ganze Nationen, 
die allgemeinste Weltepoche so gut als der heutige Tag 
unterworfen sind." 
Goethe war viel gesünder als Schiller, wenn auch 
nicht so kräftig und kerngesund, wie er in der Phantasie 
seines Volkes fortlebt, aber er war gleichfalls sinnlich
        

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