Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526960
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Goethes 
Ästhetik. 
Erzieher von Schillers nachgelassenen Kindern, Abeken, 
warm für das Werk gegen seine zahlreichen Kritiker 
eintrat, freute sich Goethe besonders darüber, dass der 
junge Mann das Buch als ein für sich bestehendes, mit 
eigenem Leben begabtes Ganzes angesehen. „Ein solches 
Werk," sagte nachher der Dichter zu ihm, "wächst 
einem unter den Händen und legt einem die Not- 
Wendigkeit auf, alle Kraft aufzubieten, um seiner Meister 
zu bleiben und es zu vollendenf") 
Schon bei seinem ersten Drama war es ihm eben 
so gegangen; die ersten Akte des ,Götz' wurden 
ungefähr das, was sie werden sollten; in den folgenden 
aber, besonders gegen das Ende, rifs ihn eine wunder- 
same Leidenschaft unbewufst hin. Er hatte sich, indem 
er Adelheid liebenswürdig zu schildern trachtete, selbst 
in sie verliebt, unwillkürlich war seine Feder nur ihr" 
gewidmet, das Interesse an ihrem Schicksal nahm über- 
hand, während Götz innnerinehr in den Hintergrund trat?) 
Der echte Künstler offenbart sich auch dadurch, 
dafs er nicht selten zwecklos schafft, ohne an Ruhm 
und Nutzen zu denken, und das allein läfst ihn oft 
schon unverständig erscheinen. Goethe hat vieles ge- 
dichtet, was nicht aufgeschrieben wurde, und vieles, was 
nachher gedruckt wurde, entstand zu einer Zeit, wo er 
an ein gröfseres Publikum gar nicht dachte. Als er den 
,Götz' niedergeschrieben hatte, hatte er manches daran 
auszusetzen, und er setzte sich sogleich hin und ge- 
1) 27. März 1810. Erinnerungen R. B. Abekens von Dr. 
A. Heuermann. Osnabrück 1895.  9) Vgl. Aus meinem Leben 
III, 13.
        

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