Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526958
Das 
YVcsen 
des 
Dichters. 
81 
wichtern folgend; Goethe verteidigt gegen dieses harte 
Wort den Poeten in seinem ,Divan,") indem er ihn als 
Unbewufsten, Unzurechnungsfähigen hinstellt: 
nWVcifs denn der, mit Wem er geht und wandelt? 
Er, der irnmef nur im XVahnsinn handelt! 
Grenzenlos. von eigcnsinn'gem Lieben 
Wird er in die Öde fortgctriebcn, 
Seiner Klagen Reim, in Sand geschrieben, 
Sind vom Winde gleich verjagt: 
Er versteht nicht, was er sagt; 
NVas er sagt, wird er nicht halten." 
Zu einem unfreiwilligen Handeln, einer Art Geistes- 
zzwang wird das künstlerische Schaffen namentlich, sobald 
die Anfänge eines Werkes entstanden sind. Da gewinnt 
das Werk unmerklich ein eigenes Leben, es läfst den 
Urheber nicht los, es scheint ihn hierhin und dahin zu 
ziehen; schliefslich wird unklar, wer eigentlich Herr ist, 
wer eigentlich schafft. Man sollte oft unpersönlich sagen: 
es dichtet, es malt in mir. Der Vergleich mit einem 
Liebesabenteuer liegt nahe: auch da sind wir höchstens 
im ersten Anfang völlig Meister unseres Handelns. 
"Zufällig naht man sich, man fühlt, man bleibt, 
Und nach und nach wird man verflochten; 
Es wächst das Glück, nun wird es angefochten; 
Man ist entzückt, dann kommt der Schmerz heran, 
Und ch" man sich's versieht, ist's eben ein Romanf") 
Eine kleine Erzählung dachte Goethe zu schreiben, 
als er den Plan zu den ,Wahlverwandtschaften' entwarf; 
ein Roman von zwei Bänden wurde daraus. Als der 
I) Divan II, 2. 
W. Bude, Goethes 
- 
 E) Vorspiel zu Iraust. 
Ästhetik. 6
        

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