Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526940
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Goethes 
Ästhetik. 
Und 18121) schrieb er an die Gräfin OlDonnell, er 
habe sich abgewöhnen müssen, von der Kaiserin von 
Österreich, die er in ihrer Gesellschaft oft gesehen, zu 
seinen Freunden zu sprechen, „denn die bravsten und 
sonst fürs Vortreffliche empfanglichen Menschen ent- 
hielten sich nicht, mir zu versichern, ich rede enthusiastisch, 
wenn ich nichts als die reine Prosa zu sprechen glaubte. 
Es kann zwar sein, dass, wie jener Prosa. machte, ohne 
es zu wissen, ich unbewufst poetisch rede. Wäre ich 
aber auch ein anerkannter Nachtwandler, so will ich 
doch nicht aufgeweckt sein und halte mich daher fern 
von den Menschen, welche nur das Wahre zu sehen 
glauben, wenn sie das Gemeine sehen." 
So erschien auch Goethe gelegentlich wie Tasso 
seinen Freundinnen?) 
"Sein Auge weilt auf dieser Erde kaum; 
Sein Ohr vernimmt den Einklang der Natur; 
Was die Geschichte reicht, das Leben giebt, 
Sein Busen nimmt es gleich und vrillig auf; 
Das weit Zerstreute sammelt sein Gemüt, 
Und sein Gefühl belebt das Unbelebte. 
Oft adelt er, was uns gemein erschien, 
Und (las Geschätzte wird vor ihm zu nichts. 
Er scheint uns anzusehn, und Geister mögen 
An unsrer Stelle seltsam ihm erscheinen." 
Die Gegner der Poesie haben für diese Dichternatur 
ganz andere Worte, wie wir aus demselben Drama 
wissen. Schon Demokrit hat gesagt, dafs die Dichter 
wahnsinnig seien; im Koran heifst es von ihnen, dafs 
sie umherschweifen und irren, den Lügnern und Böse- 
1) 24. November 1812, 
an Joscphine O'Donnell. 
V2) Tasso I,
        

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