Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526926
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Goethes 
Ästhetik. 
vielmehr mufste er über jedes, was er that, rellektierenf") 
aber als der geborene Dichter erschien ihm auch nicht 
eigentlich Schiller, sondern von seinen Zeitgenossen 
Byron. "Er ist ein grofses 'l'alent, ein geborenes", 
sagte er von diesemfl) "und die eigentlich poetische 
Kraft ist mir bei niemand gröfser vorgekommen als bei 
ihm .  . Alles, was er produzieren mag, gelingt ihm, 
und man kann Wirklich sagen, dal's sich bei ihm die 
Inspiration an die Stelle der Reflexion setzt. Er mufste 
i1n1ner dichten, und da war denn alles, was vom Menschen, 
besonders vom Herzen ausging, vortrefflich. Zu seinen 
Sachen kam er wie die Weiber zu schönen Kindern; 
sie denken nicht daran und wissen nicht wie."  Auch 
an Wieland rühmt Goethe sein ge n i alisch e s Verfahren: 
„Ohne Vorsatz und Selbstbewufstseinfß) Und von 
seinen eigenen Jugendwerken meinte er im Alter, er 
wolle sie trotz ihrer Mängel nicht schelten: „Ich war 
freilich noch dunkel und strebte in bewufstlosem Drange 
vor mir hin, aber ich hatte ein Gefühl des Rechten, 
eine Wünschelrute, die mir anzeigte, wo Gold war." 
Dieses unbewufste Schaffen cles Dichters kann man 
freundlich oder feindlich als göttliche Eingebung oder 
als Wahnsinn auffassen. Beide Auslegungen finden wir 
bei unserm Dichter. Er klagte noch wenige Tage vor 
seinem Tode, dafs man eine heute noch vor sich 
gehende göttliche Einwirkung allenfalls in religiösen und 
moralischen Dingen zugebe, dagegen in Dingen der 
1) Eckermann, 
Februar 1825. 
November 1823. 
Rede auf Wieland 
 e) 
1813. 
Ecke.
        

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