Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526885
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Goethes 
Ästhetik. 
„Ich kann das Gedicht nicht wieder los werden," 
sagte Eckennanxi und er fing laut an zu wiederholen: 
"Du hast mir mein Gerät verstellt und verschoben: 
Ich suche und bin wie blind und irre geworden"  
"Es bringt uns einen düsteren Zustand vor Augen," 
meinte Goethe. 
„Es macht mir den Eindruck eines Bildes," versetzte 
der jüngere, „eines niederländischen." 
S0 ging das Gespräch weiter. 
„Es ist mir immer, als wäre es gereilnt, und doch 
ist es nicht so. Woher kommt das?" 
"Das liegt im Rhythmus", antwortete Goethe und 
zeichnete mit einem Bleistifte den eigenartigen Tonfall 
auf, zuerst einen Vorschlag, dann Trochäen, gegen das 
Ende einen Daktylus, der eigenartig wirkt. 
"Vdn  meinem  breiten  Ldger lbin ich ver-ltricbcnu 
„Der Takt," fuhr er fort, "kommt aus der poetischen 
Stimmung wie unbewufst. Wollte man darüber denken, 
wenn man ein Gedicht macht, man würde verrückt 
und brächte nichts Gescheites zustande." 
Gerade dieses Rätselhafte an dem Gedichte war es 
eben, was Eckermann beschäftigte. 
„Wie Sie zu dem Gefühl eines solchen Zustandes 
gekommen sind, begreife ich kaum; das Gedicht ist 
wie aus einer anderen Zeit und aus einer anderen Welt." 
„Ich werde es auch nicht zum zweitenmale machen," 
antwortete Goethe, „und wüfste auch nicht zu sagen, 
wie ich dazu gekommen bin." 1) 
Eckermann, 
April
        

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