Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526847
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Goethes 
Ästhc 
ztik. 
aber auf keinem anderen Wege hervorgebracht werden 
kann. Sollte sich im Gegenteil zeigen, dafs diese 
Neigung zur Dichtkunst jene Probe nicht aushielte, so 
würden Sie doch den anderen Gewinn rein besitzen." 
Goethe hat selber vor der italienischen Reise diese 
Probe auf das ehrlichste Clurchgernacht; schliefslich 
rnufste er den Geschäften des Staatsbeamten entfliehen, 
weil er ohne häufigeren Verkehr mit der Kunst nicht 
mehr leben konnte. Wenn er in späteren Jahren sich 
durch andere Geschäfte wiederum von der Dichtkunst 
längere Zeit abziehen liefs, so litt er darunter. Schiller 
hatte ganz recht, ihn dann zu schelten: „Die Natur 
hat Sie einmal bestimmt, hervorzubringen; jeder andere 
Zustand, wenn er eine Zeit lang anhält, streitet mit 
Ihrem Wesen. Eine so lange Pause, als Sie diesmal in 
der Poesie gemacht haben, darf nicht mehr vor- 
kommenf") 
Ähnlich hatte in jungen Jahren schon Merck zu ihm 
gesprochen, dessen scharfer Blick sogleich den Unter- 
schied zwischen Goethe und seinen damaligen Freunden, 
den Grafen Stolberg, herausfand. Diese suchten (las 
sogenannte Poetische, das Imaginative, zu verwirklichen, 
„und das giebt nichts wie dummes Zeug." „Dafs du mit 
diesen Burschen ziehst," rief der Ehrliche aus, „ist ein 
thörichter Streich. Dein Bestreben, deine unablenkbare 
Richtung ist, dem Wirklichen eine poetische Gestalt zu 
geben. Du wirst nicht lange bei ihnen bleibenf") 
„Dem Wirklichen eine poetische Gestalt zu geben," 
d. h. doch auch: immer vom Wirklichen und Wahren 
1) An Goethe, 5. März 1799.  9) Aus mcinem Leben 
IV, I8.
        

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