Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526780
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Goethes 
Ästhetik. 
Zweck ihrer Gegenstände zu tauschen, sondern suchten 
beständig die Schönheit der Redlichkeit. 
Das erste antike Bauwerk, das Goethe sah, war das 
Amphitheater in Verona. Als er oben auf dem Rande 
umherging, schien es ihm seltsam: etwas Grofses, und 
doch eigentlich nichts zu sehenÄ) ln Assisi trat er in 
den ersten antiken Tempel: ein bescheidenes Gebitutle 
nur, wie es sich für eine so kleine Stadt schickte, 
doch so vollkommen, so schön gedacht, so klug auf 
den rechten Platz gestellt! „Was sich durch die Be- 
schauung dieses Werkes in mir entwickelt, ist nicht 
auszusprechen und wird ewige Früchte bringenfm) Im 
Gemüt zum schönsten beruhigt, ging er die römische 
Strafse hinab. Zwei Tage später stieg er nach Spoleto 
hinauf und war auf der Wasserleitung, die zugleich Brücke 
von einem Berge zum andern ist. „Die zehn Bogen, 
welche über das Thal reichen, stehen von Backsteinen 
ihre Jahrhunderte so ruhig da, und das Wasser quillt 
immer noch in Spoleto an allen Orten und Enden. Das ist 
nun das dritte Werk der Alten, das ich sehe, und immer 
derselbe grofse Sinn. Eine zweite Natur, die zu 
bürgerlichen Zwecken handelt, das ist ihre Baukunst: 
so steht das Amphitheater, der 'l'e1npel und der 
Aquiidukt". Und Goethe mufste nun an unwahre Kunst 
in der Heimat denken: „Nun fühle ich erst, wie mir 
mit Recht alle Willkürlichkeiten verhafst waren, wie zum 
Beispiel der Winterkasten auf dem Weifsensteinfl) ein 
Nichts um Nichts, ein ungeheurer Konfektaufsatz, und 
so mit tausend andern Dingen. Das steht nun alles 
 
1) Im]. Reise, 
3) Bei Kassel, 
I6. Sept. 1786.  
jetzt VVilhclmshi 
 2) Ital. Reise 
Ehe genannt. 
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