Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526775
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verschliefst und versteckt, wird hier frei und flüssig an 
den Tag gefördert; wir erfahren die Wahrheit des Lebens 
und wissen nicht wie. Shakespeare gesellt sich zum 
Weltgeist: er durchdringt die Welt wie jener; beiden ist 
nichts verborgen: aber wenn des Weltgeists Geschäft ist, 
Geheimnisse vor, ja oft nach der That zu bewahren, so 
ist es der Sinn des Dichters, das Geheimnis zu ver- 
schwatzen und uns vor oder doch gewifs in der That zu 
Vertrauten zu machen. Der lasterhaft Mächtige, der wohl- 
denkende Beschränkte, der leidenschaftlich Hingerissene, 
der ruhig Betrachtende; alle tragen ihr Herz in der Hand, 
oft gegen alle Wahrscheinlichkeit; jedermann ist redsam 
und redselig. Genug, das Geheimnis mufs heraus, und 
sollten es die Steine verkünden. Selbst das Unbelebte 
drängt sich hinzu; alles Untergeordnete spricht mit, die 
Elemente, Hi1nn1el-, Erd- und Meerphänomene, Donner 
und Blitz; wilde 'l'iere erheben ihre Stimme, oft 
scheinbar als Gleichnis, aber ein wie das andere Mal 
mithanrlelnd." 
In dem römischen Briefe an Frau v. Stein lasen 
wir vorhin auch die Stelle: „Wer sich mit Ernst hier 
umsieht und Augen hat zu sehen, mufs solid werden, 
er mufs einen Begriff von Solidität Rassen, der ihm nie 
so lebendig ward." Solidität bedeutet hier wieder eine 
Art Wahrheit; Goethe fühlte sie in sich wachsen durch 
das ruhige Beobachten der antiken Bilder um ihn herum. 
Die Künstler der alten Welt hatten diese Solidität. Sie 
zauberten ihren Landsleuten nichts Unwahreslvor, ver- 
steckten nicht schwiichlichen Schund hinter allerlei 
Dekoration, suchten nicht über (las Material oder den
        

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