Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526769
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Goctl 
ÄÄsthctik. 
Gespenstern, Nixen, Feen und Kobolden zu berichten. Und 
so spricht er gerade da Wahrheiten aus, wo er dem 
Philister als tränmender F abulant erscheint. Kurzsichtig- 
keit  auf die Augen des Geistes angewendet  ist 
Philistereigenschaft; der Künstler mufs wie jeder andere 
geniale Mensch in die Ferne, in die Tiefe, in die Höhe 
seine Blicke weit senden können. Er ist wie der Türmer 
Lynkeus „zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt" 
und erkennt wie dieser in allen Dingen „die ewige Zier". 
Goethe hat uns diesen echten, genialen Künstler, 
der sich von der niedrigen Realität zu jenen Höhen er- 
hoben hat, wo ihm die Wahrheit erscheint, geschildert, 
wo er von Shakespeare sprichtzl) „Nennen wir nun 
Shakespeare einen der gröfsten Dichter, so gestehen 
wir zugleich, dal's nicht leicht jemand die Welt so ge- 
wahrte wie er, dafs nicht leicht jemand, der sein inneres 
Anschauen aussprach, den Leser in höherem Grade mit 
in das Bewnfstsein der Welt versetzt. Sie wird für uns 
völlig (lurchsichtig: wir finden uns auf einmal als Ver- 
traute der Tugend und des Lasters, der (lrölse, der 
Kleinheit, des Adels, der Verworfenheit." 
„Er läfst geschehen, was sich leicht imaginieiren 
litfst, ja was besser imaginiert als gesehen wird. Hamlets 
Geist, Macbeths Hexen, manche Grausamkeiten erhalten 
ihren Wert durch die Einbildungskraft, und die viel- 
fältigen kleinen Zwischenscenen sind blofs auf sie be- 
rechnet   .  Alles was bei einer grofsen Weltbegebenheit 
heimlich durch die Lüfte säuselt, was in Momenten 
nngeheuerer Ereignisse sich in dem Herzen der Menschen 
verbirgt, wird ausgesprochen; was ein Gemüt ängstlich 
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