Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526732
Göttin XVahrhcit. 59 
und Bedeutende seiner Gegenstände verstehen lernt und 
nicht aus Unkenntnis Fehler begeht, die der Kenner 
schmerzlich empfindet. 1) 
l 
Doch allein durch solche Vermeidung von Irrtümern 
entsteht noch nicht die Wahrheit, die wir vom Künstler 
erwarten. Näher kommen wir ihr, wenn wir sie der 
Sachlichkeit oder Objektivität gleichsetzen. Sachlichkeit 
war Goethes ständiges Bestreben bei alle1' Bethiitigting, 
sie war ihm namentlich auch das erste Gebot seines 
künstlerischen Gewissens. Er empfand sie nicht blofs als 
Gesetz, sondern zugleich als etwas Befreiendes, Be- 
glückendes und Segensreiches. Als er zehn Tage in 
Rom war, schrieb er an die Freundin in Weimar: "Ich 
lebe nun hier mit einer Klarheit und Ruhe, von der 
ich lange kein Gefühl hatte. Meine Übung, alle Dinge, 
wie sie sind, zu sehen und abzulesen, meine Treue, 
das Auge licht sein zu lassen, meine völlige Entäufserung 
von aller Prätention kommen mir einmal wieder recht 
zu statten und machen mich im stillen höchst glücklich. 
Alle Tage ein neuer merkwürdiger Gegenstand, täglich 
frische, grofse, seltsame Bilder    Wer sich mit 
Ernst hier umsieht und Augen hat zu sehen, mufs solid 
werden, er mufs einen Begriff von Solidität fassen, der  
ihm nie so lebendig ward. Der Geist wird zur 
"Tüchtigkeit gestempelt, gelangt zu einem Ernst ohne 
Trockenheit, zu einem gesetzten Wesen mit Freude. 
Mir wenigstens ist es, als wenn ich die Dinge dieser 
Welt nie so richtig geschätzt hatte als hier. Ich freue 
mich der gesegneten Folgen auf mein ganzes Leben." 
 Vgl, Didcrols Versuch, I. Kap. 
        

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