Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526715
Göttin 
Wahrheit. 
57 
„So hat der Stand eines Baumes, die Art des 
Bodens unter ihm, andere Baume hinter und neben 
ihm, einen grofsen Einllufs auf seine Bildung. Eine 
Eiche, die auf der windigen westlichen Spitze eines 
felsigen Hügels steht, wird eine ganz andere Form er- 
langen als eine andere, die unten im weichen Boden 
eines geschützten Thales grünt. Beide können in ihrer 
Art schön sein, aber sie werden einen sehr verschiedenen 
Charakter haben und können daher in einer künstlerisch 
erfundenen Landschaft wiederum nur für einen solchen 
Stand gebraucht werden, wie sie ihn in der Natur hatten. 
Und deshalb ist dem Künstler die mitgezeichnete Um- 
gebung, wodurch der jedesmalige Stand ausgedrückt 
worden, von grofser Bedeutung." 
S0 wird der Landschaftsmaler ein wenig Naturforscher 
sein müssen, ehe er in seiner Kunst vollkommen wird. 
„Ein Landschaftsmaler mufs viele Kenntnisse haben. l) 
Es ist nicht genug, dals er Perspektive, Architektur und 
die Anatomie des Menschen und der Tiere verstehe, 
sondern er mufs sogar auch einige Einsichten in die 
Botanik und Mineralogie besitzen: erstere, damit er das 
Charakteristische der Bäume und Pflanzen, und letztere, 
damit er den Charakter der verschiedenen Gebirgsarten 
gehörig auszudrücken verstehe. Doch ist deshalb nicht 
nötig, dafs er ein Mineralog vom Fache sei, indem er 
es vorzüglich nur mit Kalk-, "fhonschiefer- und Sandstein- 
gebirgen zu thun hat und er nur zu Wissen braucht, in 
welchen Formen es liegt, wie es sich bei der Ver- 
Witterung spaltet, und welche Baumarten darauf gedeihen 
oder verkrüplueln." 
Eckcrmann, 
Dezember 
1831.
        

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