Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526702
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Goethes 
Ästhetik. 
Schuhe und Strümpfe beschreibt. Wenn man abends 
am Tische sitzt und jemand hereintritt, so sieht man 
nur seinen obern Körper. Beschreibe ich aber die 
Füfse, so tritt sogleich das Licht des Tages herein, und 
die Scene verliert ihren nächtlichen Charakter." 
Den gleichen aufmerksamen Realismus, den er hier 
vermifste, verlangte er von den Malern, wenn er ihnen 
riet, nie einen Gegenstand allein zu malen, sondern 
stets seine nächste Nachbarschaft hinzuzufügenf) sofern 
diese auf seine Entstehung oder Form oder Erscheinung 
Einflufs hatte?) Denn erstens gewinnen Wir nur dadurch 
die Schönheit sicher auf die Leinwand, die uns in der 
Natur entzückte, während vielleicht die Eiche, die dort 
malerisch war, ohne Hintergrund und Nachbarschaft 
ihren Zauber verliert. "Und dann noch diesesß) Es ist 
in der Natur nichts schön, was nicht naturgesetzlich 
als wahr motiviert wäre. Damit aber jene Naturwahrheit 
auch im Bilde wahr erscheine, so mufs sie durch Hin- 
stellung der einwirkenden Dinge begründet werden. 
Ich treffe an einem Bache wohlgeformte Steine, 
deren der Luft ausgesetzte Stellen mit gi-ünein Moos 
malerisch überzogen sind. Es ist aber nicht die 
Feuchtigkeit des Wassers allein, was diese Moos- 
bildung verursachte, sondern es ist etwa ein nörd- 
licher Abhang oder schattende Bäume und Gebüsch, 
was an dieser Stelle des Baches auf jene Bildung ein- 
wirkte. Lasse ich aber diese einwirkenden Ursachen 
in meinem Bilde hinweg, so wird es ohne Wahrheit 
sein und ohne die eigentliche überzeugende Kraft. 
Erinnerungen Fr. Prvllcrs, 
ickcrmann, 5. Juni I 82 5. 
[uli 
I826,bci Biedcrmann V, 
3) Ebenda. 
3 00,
        

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