Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526648
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Goethes 
Ästl 
rlik. 
Muskeln eines "Iieres nicht willkürlich ändern, so (lafs 
(ladurch der eigentümliche Charakter verletzt würde. 
Denn (las hiefse die Natur vernichten. Allein in den 
höhern Regionen des künstlerischen Verfahrens, wodurch 
ein Bild zum eigentlichen Bilde wird, hat er ein freieres, 
Spiel, und er darf hier sogar zu Fiktionen schreiten, 
wie Rubens in dieser Landschaft mit dem doppelten 
Lichte gethan. 
„Der Künstler hat zur Natur ein zwiefatches Verhältnis: 
er ist ihr Herr und ihr Sklave zugleich. Er ist ihr 
Sklave, insofern er mit irdischen Mitteln wirken lnufs, 
um verstanden zu werden; ihr Herr aber, insofern er 
diese irdischen Mittel seinen höhern Intentionen unter- 
wirft und ihnen dienstbar macht. 
"Der Künstler will zur Welt durch ein Ganzes 
sprechen; dieses Ganze aber findet er nicht in der lXlatur, 
sondern es ist die Frucht. seines eigenen Geistes oder, 
wenn Sie wollen, des Anwehens eines befruchtenden 
göttlichen Oclems. 
"Betrachten wir diese Landschaft von Rubens nur 
so obenhin, so kommt uns alles so natürlich vor, als 
sei es nur geradezu von der Natur abgeschrieben, Es 
ist aber nicht so. Ein so schönes Bild ist nie in der 
Natur gesehen worden, ebensowenig als eine Landschaft 
von Poussin oder Claude Lorrain, die uns auch sehr 
natürlich erscheint, die wir aber gleichfalls in der 
Wirklichkeit vergebens suchen." 
Ob nicht in der Litteratur die gleichen Verstöfse 
wider die Naturwahrheit vorkommen, fragte Eckermann, 
und leicht besann man sich auf solche. Einige Monate 
später wies Goethe selber darauf hin, wie im zweiten
        

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