Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526611
V 
1m 
Wirklichen 
zur 
Kunst. 
47 
während er beim Homer dem Odysseus die antimagische 
Pflanze lange vorher giebt, u. s. w. „Wie erbärlnlich 
quälen sich nicht die neueren Künstler um die kleinsten 
historischen Umstände Im) 
i 
Das (jharakterisieren und die Übertreibung 
des Charakteristischen sind weitere Eigentiimlich- 
 keiten des künstlerischen Schaffens. Die Riesen werden 
vergrößert, die Zwerge verkleinert. Die Phantasie ändert 
beständig an den Mafsen derDinge. AlsGoethe auf seiner 
Fahrt von Palermo nach Neapel die berühmten Felsen 
Scylla und Charybdis sah, üel ihm zweierlei auf: der 
Dichter hat erstens die beiden Felsen näher zusammen- 
gerückt und zweitens hat er sie höher dargestellt, als 
sie in Wirklichkeit sind. Da solle man sich nun nicht 
über die Fabelei der Poeten beklagen, meint unser 
Reisenden?) sondern die 'l'hatsache hinnehmen, dafs die 
Einbildungskraft aller Menschen (lurchaus Gegenstände, 
wenn sie solche bedeutend vorstellen Will, höher als breit 
imaginiert und dadurch dem Bilde mehr Charakter, 
Ernst und Würde verschafft. {fausendmal habe ich 
klagen hören, dzifs ein durch Erzählung gekannter 
Gegenstand in der Gegenwart nicht mehr befriedige; 
die Ursache hiervon ist immer dieselbe: Einbildung 
und Gegenwart verhalten sich wie Poesie und Prosa; 
jene wird. die (legenstiintle mächtig und steil denken, 
diese sich immer in die Fläche verbreiten." 
Mcycr, Januar 
I4. Mai 1787. 
780. 
XV 
Ausg, 
91
        

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