Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526593
Vom 
Wirklichen 
Zllf 
Kunst. 
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ihm gelungen seien, weil er jung genug war, als er sie 
schrieb; seine Sinnlichkeit habe das Ideelle des Stoffes 
durchdrungen und belebt. ]etzt im Alter thue er 
vielleicht wohl, solche Gegenstände zu wählen, wo eine 
gewisse Sinnlichkeit bereits im Stoffe liegt. Ähnlich 
urteilt er in den ,Maximen und Retlexionenß 
„Der Dichter ist angewiesen auf Darstellung. Das 
Höchste derselben ist, wenn sie mit der Wirklichkeit 
wetteifert, d. h. wenn ihre Schilderungen durch den Geist 
dergestalt lebendig sind, dafs sie als gegenwärtig für 
jedermann gelten können. Auf ihrem höchsten Gipfel 
scheint die Poesie ganz äufserlich; je mehr sie sich ins 
Innere zurückzieht, ist sie auf dem Wege, zu sinken.  
Diejenige, die nur das Innere (larstellt, ohne es durch 
ein Aufseres zu verkörpern oder ohne das Äufsere durch 
das Innere durchfiihlen zu lassen, sind beides die letzten 
Stufen, von welchen aus sie ins gemeine Leben hineintritt." 
"Zweierlei gehört zum Poeten und Künstler: dafs er 
sich über das Wirkliche erhebt und dafs er innerhalb 
des Sinnlichen stehen bleibt." So heifst es in einem 
Briefe Schillers ganz in Sinne Goethes, des Einpüingers. 
Wir werden später noch erfahren, welchen Wert der 
letztere auf das Symbolische legte. Die Kunst mufs 
dem Körperlichen die Weihe der hohen Idee geben 
oder sie mufs eine Idee sinnlich-wirksam verkörpern. 
Der Künstler kann keinen Leib ohne Seele brauchen 
und keine Seele ohne Leib. 
Der Gedanke liegt nahe, dafs es auf eins hinauskomme, 
0b eine Idee sinnlich dargestellt ist, oder ob eine 
sinnliche Darstellung symbolisch aufgefafst wird. Aber 
das eben gebrauchte Gleichnis erinnert daran, (lafs die 
Seele eine Funktion des Körpers sein kann oder aber
        

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