Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526589
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Ästhetik. 
Das Verwandeln von Begriffen und Ideen in 
sinnliche Darstellungen ist allen Künsten eigen. 
Auch die Dichter und Musiker sind eigentlich "bildende 
Künstler". „Bilde Künstler, rede nichtlm) ruft Goethe 
gerade den Dichtern zu. Er zeigte Eckermann einmal 
einen Stich nach Ostade?) Da sah man eine Bauern- 
Wohnung vorgestellt, wo Küche, Wohn- und Schlaf- 
zimmer alles in einem und nur ein Raum war. Mann 
und Frau safsen sich nahe gegenüber, die Frau spinnend, 
der Mann Garn windend, ein Bube zu ihren Füfsen. 
Im Hintergründe sah man ein Bett sowie überall nur 
das roheste, allernotivendigste Hausgerät, die Thür ging 
unmittelbar ins Freie. Den Begriff beschränkten ehe- 
lichen Glücks gab dieses Blatt vollkommen; Zufriedenheit, 
Behagen und ein gewisses Schwelgen in liebenden ehe- 
lichen Empfindungen lag auf den Gesichtern vom Manne 
und der Frau, wie sie sich einander anblickten. „Es 
wird einem wohler zu Mute," sagte der Beschauer, „je 
länger man dieses Blatt ansieht; es hat einen Reiz ganz 
eigener Art."  „Es ist der Reiz der Sinnlichkeit," 
sagte Goethe, „den keine Kunst entbehren kann, und 
der in Gegenständen solcher Art in seiner ganzen Fülle 
herrscht. Bei Darstellungen höherer Richtung dagegen, 
wo der Künstler ins Ideelle geht, ist es schwer, dafs 
die gehörige Sinnlichkeit mitgehe, und dal's er nicht 
trocken und kalt werde." Goethe meinte die Dichtkunst 
mit, als er sagte, dal's keine Kunst den Reiz der 
Sinnlichkeit entbehren kann. Er sprach auch gleich 
weiter von seiner ,Iphigenie' und seinem ,Tasso', die 
1) Gedichte, 
Februar 1829. 
zur Abteilung 
Motto 
Eckermann,
        

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