Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526573
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einen Klang vermeiden, der soeben gehört wurde. 
Auch beim Theater wäre mit diesem Gesetz viel zu 
machen, wenn man es gut anzuwenden wüßte. Stücke, 
besonders Trauersniele, in denen ein einziger Ton ohne 
Wechsel durchgeht, haben etwas Lästiges und Er- 
müdentles, und wenn nun das Orchester bei einem 
traurigen Stück auch in den Zwischenakten traurige, 
niederschlagende Musik hören lüfst, so wird man von 
einem unerträglichen Gefühl gepeinigt, dem man gern 
auf alle Weise entfliehen möchte." 
"Vielleicht," sagte Goethe, „beruhen auch die eine 
geflochtenen heiteren Scenen in den Shakespeareschen 
'l"rauerspielei1aufdiesem Gesetz des geforderten Wechsels; 
allein auf die höhere "Tragödie der Griechen scheint es 
nicht anwendbar, vielmehr geht bei dieser ein gewisser 
Grundton durch das Ganze." 
"Die griechische Tragödie," meinte dagegen Ecker- 
mann, „ist auch nicht von solcher Länge, (lafs sie bei 
einem (lurchgehenden gleichen Ton ermüden könnte, 
und dann wechseln auch Chöre und Dialog, und der 
erhabene Sinn ist von solcher Art, dafs er nicht lästig 
werden kann, indem immer eine gewisse tüchtige 
Realität zum Grunde liegt, die stets heiterer Natur ist." 
„Sie mögen recht haben," sagte Goethe, „und es 
wäre wohl der Mühe wert, zu untersuchen, inwiefern 
auch die griechische "Tragödie dem allgemeinen Gesetze 
des geforderten Wechsels unterworfen ist. Aber Sie 
sehen, wie alles aneinanderhüngt, und wie sogar ein 
Gesetz der Farbenlehre auf eine Untersuchung der 
griechischen "fiuagödie führen kann."
        

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