Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526521
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Goethes 
Ästhetik. 
Der lnhalt von jahren oder Jahrzehnten spielt sich 
in einer "Tragödie in zwei oder drei Stunden vor 
uns ab; das Epos und der Roman schildern uns ganze 
Menschenaltel" und führen uns von Land zu Land, 
obwohl wir in einem einzigen Tage sie lesen können. 
Man denke ferner an die Gedrängtheit der Balladen, 
wo der Erzähler von Bild zu Bild springt und uns nur 
erraten läfst, was wohl dazwischen liegen mag. Auch 
dem Volksliede ist eine abgerissene, lakonische Weise 
der Mitteilung eigen; an ihm sehen wir vielleicht am 
deutlichsten, dafs der Lakonislnus eine häufige Eigenschaft 
des Kunstschönen und von einer merkwürdigen Wirkung 
auf das Gemüt ist. "Gespräche in Liedern," fing Goethe 
auf einer Reise nach Frankfurt und der Schweiz 1797 
an zu dichten, und Schiller erhielt die ersten Proben: 
,Der Edelknabe und die Müllerint und ,Der Junggesell 
und der Mühlbachä „Mir däucht," antwortete er, „dafs 
diese Gattung dem Poeten schon dadurch sehr günstig 
sein müsse, dafs sie ihn aller belästigenden Beiwerke, 
dergleichen Einleitungen,Übergänge, Beschreibungen etc. 
sind, überhebt und ihm erlaubt, immer nur das Geist- 
reiche und Bedeutende an seinem Gegenstande mit 
leichter Hand oben wegzuschöpfenf") 
Das Gleichnis „die Sahne abschöpfen" klingt prosaisch, 
aber alle Künstler haben es in ihrer Weise zu thun, und 
ihre Pflicht ist, die Magermilch resolut fortzuschütten. 
Es begann geradezu eine neue, bessere Epoche für 
die deutsche Litteratur, als um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts die besten Schriftsteller diese Wahrheit er- 
kannten und vom "breiten Unheil" sich abwandten. 
an 
Schiller 
Gocthc, 
September I 797.
        

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