Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526506
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Goethes 
Ästhetik. 
auch in der Nacht draufsen bleiben würden. Verschiedene 
Dörfer und eine Stadt schlossen den hellen Horizont 
des Bildes, worin man den Begriff von Thätigkeit und 
Ruhe auf das anmutigste ausgedrückt fand. Ilas Ganze 
schien mit solcher Wahrheit zusammenzuhängen, und 
das Einzelne lag mit solcher Treue vor Augen, dafs 
Eckermann die Meinung äufserte, Rubens habe dieses 
Bild wohl ganz nach der Natur abgeschrieben. 
"Keineswegs," sagte Goethe, „ein so vollkommenes 
Bild ist niemals in der Natur gesehen worden, sondern 
wir verdanken diese Komposition dem poetischen Geiste 
des Malers. Aber der grofse Rubens hatte ein so 
außerordentliches Gedächtnis, dafs er die ganze Natur 
im Kopfe trug und sie ihm in ihren Einzelheiten 
immer zu Befehl war. Daher kommt die Wahrheit 
des Ganzen und Einzelnen, so dafs wir glauben, 
alles sei eine reine Kopie nach der Natur." Der 
Dichter hält es nicht anders. Sobald der ,Werther' 
erschienen war, erlebte Goethe, was ihn noch manches 
Mal plagen sollte, dal's das Publikum am begierigsten 
danach fragte, was an der Erzählung wahr sei, wer z. B. 
das Vorbild der Lotte gewesen. Wohl hatte er die 
Hauptzüge von Charlotte Buff genommen, aber er war 
auch in der angenehmen Lage jenes Künstlers gewesen, 
dem man Gelegenheit gab, eine Venus aus mehreren 
schönen Modellen herauszustudieren. So hatte er denn 
aus der Gestalt und den Eigenschaften mehrerer hübschen 
Kinder seine Heldin gebildet. 1) Es sind also die Dichter 
und die Maler ebensogut Komponisten wie diejenigen, 
die Töne zusammensetzen. 
Li 
1) Aus meinem Leben,
        

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