Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526457
Vom 
Wirklichen 
Zllf 
Kunst. 
31 
„Denn indem die Form, in die Materie hervor- 
schreitend, schon ausgedehnt wird, so wird sie schwächer 
als jene, welche in einem verharret. Denn was in sich 
eine Entfernung erduldet, tritt von sich selbst weg: 
Stärke von Stärke, Wärme von Wärme, Kraft von Kraft, 
so auch Schönheit von Schönheit. Daher mufs das 
Wirkende trefflicher sein als das Gewirkte. Denn nicht 
die Unmusik macht den Musiker, sondern die Musik, 
und die übersinnliche Musik bringt die Musik in sinnlichem 
Tone hervor." 
Wir werden jedoch den Künstler besser verstehen, 
wenn wir seine Bethiitigung im Einzelnen und Kleinen 
betrachten. 
Da linden wir zuerst, dafs er aus dem Vielen, was 
Natur und Leben ihm darbieten, einiges auswählt, 
nämlich dasjenige, was zu ihm spricht, was ihn zur 
Wiedergabe auffordert. Man kann allerdings bestreiten, 
(lass die Gegenstände um uns herum in schöne und un- 
schöne, künstlerisch brauchbare und unbrauchbare 
einteilbar seien. Aber Goethe lächelte über die Natura- 
listen, die alle Gegenstände für gleichwertig erklären 
und einfach die Natur wiederzugeben behaupten. Sie 
können ja doch nicht alle Bäume malen, die im Walde 
stehen; sie müssen für heute schon einen Baum aus- 
wählen. Dieser eine Baum kann mir allerdings von 
einem andern vorgeschrieben werden; ich lasse ihn mir 
vielleicht vom Förster bezeichnen. 
„Nun, um den Baum in ein Bild zu verwandeln, 
gelf ich um ihn herum und suche mir die schönste 
Seite. Ich trete weit genug weg, um ihn völlig zu
        

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