Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526436
Wirklichen 
Kunst. 
Zllf 
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Wie aber schaffen die Künstler diese zweite, an- 
genehmere Welt, diese erhöhte Natur, diese Berge, zu 
denen wir entfliehen, wenn es uns in unseren Städten 
zu laut, zu häfslich, zu bedrückend wird? Wir dürfen 
nicht hoffen, dafs wir das Genie und die Leistung des 
Künstlers mit Worten völlig beschreiben und erklären 
könnten; Worte sind überall nur unzulängliche Surrogatel) 
und besonders an das Geheimnis des genialen Wesens 
können sie nicht heranreichen. „Die Kunst ist eine 
Vermittlerin des Unaussprechlichen, daruln erscheint 
es eine Thorheit, sie wieder durch Worte vermitteln zu 
wollen." "Doch," fügt Goethe hinzu, "indem wir uns 
darum bemühen, findet sich für den Verstand so 
mancher Gewinn, der dem ausübenden Vermögen auch 
wieder zu gute kommtfd) 
Dafs die Künstler ihren Stoff mittelbar oder un- 
mittelbar aus Natur und Leben nehmen, sieht man 
leicht; wie entsteht denn nun der Gegensatz zu Natur 
und Leben? Dadurch, dafs die Wirklichkeit durch die 
Seele des Künstlers hindurchzieht und dort verwandelt 
und bereichert wird. Die Künstler haben in ihrem 
Innern eine Schönheit, die sie an (lem Stoffe zur Er- 
scheinung bringen, leider nur zu einer unvollkommenen 
Erscheinung. Goethe fordert uns auf, diesen Prozefs 
an dem Werke eines Bildhauers zu betrachtenß) 
„Nehmet an: zwei steinerne Massen seien neben- 
einander gestellt, deren eine roh und ohne künstliche 
 
l) S0 urteilt Goethe in einem 1829 gedruckten Sprnche 
und auch in der Xenie "Der Sinn ergreift und denkt sich was." 
ä e) Goethe, Verschiedenes ICinzeLne über die Kunst.  3) Maximen 
und Reflexionen.
        

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