Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526425
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Ästhcli 
Goethes 
Kräfte, von keiner Widerwärtigkeit zum Naturgebrztuche 
aufgespannt, in Tugend, Wohlthätiglteit, Empündsamkeit 
zerfliefsen."  
Ungefähr so dachte er sein Leben lang. Er flüchtete 
sich aus der Natur und dem Leben in das Reich des 
Schönen, und wie er beispielsweise die politischen Er- 
eignisse ohne solche Zuflucht hätte ertragen können, liifst 
sich nicht ausdenken. Wenige Meilen von ihm wurden 
Entscheidungsschlachten geschlagen, um ihn herum 
politisierte alles über letzte Vergangenheit und nächste 
Zukunft: er aber, der Staatsminister, dichtete und be- 
trachtete Kupferstiche. Den ,Reinecke Fuchs', diese 
'„unheilige Weltbibel", nahm er mit zur Blockade von 
Mainz, 1) den ,Epilog zu Essex' dichtete er am Tage 
derSchlacht von Leipzig, und als er, mitten in das Ge- 
tümmelhineingerissen, nach Dresden reiste, wo Napoleons 
Besieger sich versammelten, schrieb er im "Löwen" zu 
Oschatz an der Wirtstafel die übermütigen Verse nieder: 
„Ich habe geliebt, nun lieb" ich erst recht." "Die 
ästhetischen Freuden halten uns aufrecht, indem fast 
alle Welt den politischen Leiden unterliegt," gesteht er 
17932) und ebenso bekennt er im nächsten jahre von 
sich, Schiller und Wilhelm von Humboldt: „Wir suchen 
uns zusammen soviel als möglich im ästhetischen Leben 
zu erhalten und alles aufser uns zu vergessenßß) Auch 
als eine unerfreuliche Philosophie ihm den Humor zu 
verderben drohte, schüttelte er sie mit dem Ausrufe 
ab: „Also geschwind ins Asyl der Kunst!"4) 
m 
1) Annalen 1793,  2) An I. F. Rcichardt, I8. Nov. 1793. 
Weim. Ausg. IV, 9, 128.  s) An F. H. jakobi, 31. Okt. 1794. 
Weim. Ausg. IV, 9, 206.  4) DcrSammler und die Seinigen 1798.
        

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