Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529492
Der 
der Kunst. 
Nutzen 
3353 
Nicht an sich, wohl aber an vielen Zeitgenossen 
beobachtete Goethe, dafs sie das Bedürfnis hatten, sich 
über gegenwärtige trübselige Zustände ihres Vaterlandes 
dadurch hinwegzusetzen, dal's sie dessen vergangene Tage 
herrlich ausmalten und aus diesen Träumen dann Hoff- 
nung für die Zukunft schöpften. Die ganze Entwickelung 
des deutschen Geisteslebens, die wir Romantik benennen, 
war ja eine Dichter- und Künstler-Gegenwirkung gegen die 
damalige deutsche Kläglichkeit. Und objektiver konnte 
der deutsche Dichter Ähnliches nachher am besiegten 
Frankreichbeobachten. Deshalb liefs er bei Beranger auch 
die politischen Gedichte passieren; er habe sich gerade 
dadurch als Wohlthäter seiner Nation erwiesenf) denn 
"nach der Invasion der Alliierten fanden die Franzosen 
in ihm das beste Organ ihrer gedrückten Gefühle. Er 
richtete sie auf durch vielfache Erinnerungen an den 
Ruhm der Waffen unter dem Kaiser, dessen Andenken- 
noch in jeder Hütte lebendig und dessen grofse Eigen- 
schaften der Dichter liebt, ohne jedoch eine Fortsetzung 
seiner despotischen Herrschaft zu wünschen. Jetzt, 
unter den Bourbonen, scheint es ihm nicht zu behagen. 
ES ist freilich ein schwach gewordenes Geschlecht!" 
Später?) sagte er vom gleichen gefälligen Chansonnier: 
nSeine Lieder haben jahraus jahrein Millionen froher 
Menschen gemacht; sie sind durchaus mundrecht auch 
für die arbeitende Klasse, während sie sich über das 
Niveau des Gewöhnlichen so sehr erheben, dafs das 
Volk im Umgange mit diesen anmutigen Geistern ge- 
Wöhnt und genötigt wird, selbst edler und besser zu 
1) Eckcrmann, 
Mai 1827. 
2) Eckermann, 
März I 830.
        

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