Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529485
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Goethes 
Ästhetik. 
„Überhaupt ist dies die entschiedenste Wirkung aller 
Kunstwerke, dafs sie uns in den Zustand der Zeit und 
der Individuen versetzen, die sie hervorbrachten. Um- 
geben von antiken Statuen, empfindet man sich in 
einem bewegten Naturleben; man wird die Mannig- 
faltigkeit der Menschengestaltung gewahr und durchaus 
auf den Menschen in seinem reinsten Zustande zurück- 
geführt, wodurch denn der Beschauer selbst lebendig 
und rein menschlich wird. Selbst die Bekleidung, der 
Natur angemessen, die Gestalt gewissermaßen noch 
hervorhebend, thut im allgemeinen Sinne wohl." 
Das Gespräch mit Eckermann kam eines Tagesl) 
auf Fouques Sängerkrieg auf der Wartburgß und 
Goethe meinte, dafs der Dichter aus den altdeutschen 
Studien am Ende doch keine Kultur für sich erlangen 
könne. "Es ist in der altdeutschen düstern Zeit ebenso 
wenig für uns zu holen, als wir aus den serbischen 
Liedern und ähnlichen barbarischen Volkspoesieen ge- 
wonnen haben. Man liest es und interessiert sich wohl 
eine Zeit lang dafür, aber blofs um es abzuthun und 
sodann hinter sich liegen zu lassen. Der Mensch wird 
überhaupt genug durch sein e Leidenschaften und Schick- 
sale verdüstert, als dafs er nötig hätte, dieses noch 
durch die Dunkelheiten einer barbarischen Vorzeit zu 
thun. Er bedarf der Klarheit und der Aufheiterung, 
und es thut ihm not, dafs er sich zu solchen Kunst- 
und Litteraturepochen wende, in denen vorzügliche 
Menschen zu vollendeter Bildung gelangten, so dafs es 
ihnen sehr wohl war und sie die Seligkeit ihrer Kultur 
wieder auf andere auszugiefsen imstande sind." 
Oktober 
1828.
        

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