Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529442
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Ästhetik. 
Goethes 
andere Mitteilungen, die ein sonst sonderbares, mifs- 
verständliches Reden oder Handeln natürlich erscheinen 
lassen. Schon der Lyriker soll die Empfindungen, die 
er ausdrückt, motivieren; Goethe betonte, dafs die wahre 
Kraft eines lyrischen Gedichtes in der Situation, in den 
Motiven bestehe?) Der Epiker und Dramatiker haben 
im Motivieren viel weiter zu gehen als der Lyriker, der 
"sich auf Andeutungen beschränken rnufs. Goethe zeigt 
sich als echter Dichter, wenn er von sich selbst erzählt: 
„In mir lag entschieden und anhaltend das Bedürfnis, 
nach den Maximen zu forschen, aus welchen ein Kunst- 
voder Naturwerk, irgend eine Handlung oder Begebenheit 
herzuleiten sein möchtef") Als Schiller den ,Tell' 
schrieb, wollte er den Gefsler geradezu und unmotiviert 
einen Apfel vom Baume brechen und vom Kopfe des 
Knaben schiefsen lassen. Das schien Goethen un- 
leidlich, und er überredete den Freund, diese Grausam- 
keit doch wenigstens dadurch zu motivieren, dafs er 
"Tells Knaben mit der Geschicklichkeit seines Vaters 
gegen den Landvogt grofsthuen lasse, indem er sagt, 
dafs sein Vater wohl auf hundert Schritte einen Apfel 
vom Baum schieße?)  
Das Motivieren des Dichters darf freilich nicht so 
weit zurück gehen wie das des Ethikers; er hat sich an 
die zunächstliegenden Ursachen zu halten und ent- 
fernteste Ursachen zu ignorierenf) um nicht weit- 
schweifig zu werden, aber auch mit seinem geringeren 
Mafse des Erklärens ist schon viel Gutes gethan. 
1) Eckermann, I8. Januar 1825.  2) Aus meinem Leben. 
Fragmentarisches. jugendepochc.  3) Eckcrmann, ISJanuar 1825. 
4) Vgl. Gespräche mit Ricmcr, um den 24.Juli 1809 und Sept. 1806.
        

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