Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1526389
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Ästhetik. 
In allen Werken der redenden wie der bildenden Künste 
finden wir bei den Alten einen einzigen durchgehenden 
Charakter, der deshalb ein Zeugnis für die ganze Kultur 
jener Zeit ist. Dies ist der Charakter des Grofsartigen, 
des Tüchtigen, des Gesunden, des Menschlich-Voll- 
endeten, der hohen Lebensweisheit, der erhabenen 
Denkungsweise, der reinkräiftigen Anschauung. 1) 
„Wie ärmlich sieht es dagegen bei uns Deutschen 
aus!" seufzte Goethe, als er  wie so oft!  an die 
hohe Kultur des Altertums dachte und daneben auch 
an die innige Teilnahme einiger neuerer Völker an der 
Kunst, wie sie für Frankreich und Schottland an ihren 
Liedersängern Beranger und Robert Burns deutlich 
wurde. "Was lebte denn in meiner Jugend von unsern 
alten Liedern im eigentlichen Volke? Herder und seine 
Nachfolger mufsten erst anfangen, sie zu sammeln und 
der Vergessenheit zu entreifsen; dann hatte man sie 
doch meistens gedruckt in Bibliotheken. Und später, 
was haben nicht Bürger und Vofs für Lieder gedichtet! 
Wer wollte sagen, dal's sie geringer und weniger volks- 
tümlich wären als die des vortrefflichen Burns! Allein 
was ist davon lebendig geworden, so (lafs es uns aus 
dem Volke wieder entgegenklänge? Sie sind ge- 
schrieben und gedruckt worden und stehen inBibliotheken, 
ganz gemäfs dem allgemeinen Lose deutscher Dichter. 
Von meinen eigenen Liedern was lebt denn? Es wird 
wohl eins und das andere einmal von einem hübschen 
Mädchen am Klaviere gesungen, allein im eigentlichen 
Volke ist alles stille. Mit welchen Empfindungen mufs 
ä 
Eckcrmann, 
Mai 
1827'
        

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