Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529427
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Goethes 
Ästhetik. 
ereignen, was will  bedenke, dieses widerfahre ihm 
als Menschen und nicht als einem besonders Glück- 
lichen oder Unglücklichen. Nützt ein solches Wissen 
nicht viel, um das Übel zu vermeiden, so ist es doch 
sehr dienlich, dafs wir uns in die Zustände finden, sie 
ertragen, ja sie überwinden lernenf") Als Goethe voll 
von seiner Dichtung ,Herinann und Dorotheai war 
und sich ausmalte, wie er sie zum erstenmale vor- 
gelesen haben würde, schrieb er die Zeilen an die 
Freunde nieder: 
"Hab ich euch Thränen ins Auge gelockt und Lust in die Seele 
Singencl geflöfst, so kommt, drückct mich herzlich ans Herz! 
Weise dann sei das Gespräch! uns lehret Weisheit am Ende 
Das Jahrhundert; wen hat das Geschick nicht geprüft? 
Blickct heiterer nun auf jene Schmerzen zurücke, 
Wenn euch ein fröhlicher Sinn manches entbehrlich erklärt! 
Menschen lernten wir kennen und Nationen; so lafst uns 
Unser eigenes Herz kennend, uns dessen erfreu'n!"2) 
Die Weisheit, die uns der Dichter lehrt, ist zuerst 
Sachlichkeit. Wenn wir ein Drama sehen, einen Roman 
lesen, nehmen wir manche Denk- und Handlungsweise 
mit ruhigem Verständnis auf, die wir, wenn sie uns im 
wirklichen Leben entgegentreten, durch unsere persön- 
lichen Wünsche verblendet, im trüben Lichte entstellt 
erblicken. „Der Handelnde ist immer gewissenlos; es 
hat niemand Gewissen als der Betrachtendeßil) Und- 
„nur das Kunstwerk regt die Betrachtung auf; 
der historische Fall, wenn er gegenwärtig ist, oder" 
die That, nur Hass und Liebe, Abneigung und Zuneigung, 
Leben 
1796.  
1) Aus meinem 
Dorothea", Dezember 
 2). Gedicht ,Herma.nm 
Sprüche in Prosa. 
und
        

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