Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529360
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Ästhetik. 
Goethes 
gehenden Charakter. Dies ist der Charakter des Grofs- 
artigen, des Tüchtigen, des Gesunden, des Menschlich- 
Vollendeten, der hohen Lebensweisheit, der erhabenen 
Denkungsweise, der reinkräftigen Anschauung, und 
welche Eigenschaften man noch sonst aufzählen könnte. 
Finden sich nun aber alle diese Eigenschaften nicht 
blofs in den auf uns gekommenen dramatischen, sondern 
auch in den lyrischen und epischen Werken; finden wir 
sie ferner bei den Philosophen, Rhetoren und Geschichts- 
schreibern und in gleich hohem Grade in den auf uns 
gekommenen Werken der bildenden Kunst: so mufs 
man sich wohl überzeugen, dafs solche Eigenschaften 
nicht blofs einzelnen Personen anhafteten, sondern dafs 
sie der Nation und der ganzen Zeit angehörten und in 
ihr in Kurs waren. 
„Nehmen Sie Burns! Wodurch ist er grofs, als dafs 
die alten Lieder seiner Vorfahren im Munde des Volkes 
lebten, dafs sie ihm sozusagen bei der Wiege gesungen 
wurden, dafs er als Knabe unter ihnen heranwuchs und 
die hohe Vortrefflichkeit dieser Muster sich ihm so 
einlebte, dafs er darin eine lebendige Basis hatte, 
worauf er weiter schreiten konnte? Und ferner, wodurch 
ist er grofs, als dafs seine eigenen Lieder in seinem 
Volke sogleich empfängliche Ohren fanden, dafs sie 
ihm alsobald im Felde von Schnittern und Binderinnen- 
entgegenklangen und er in der Schenke von heitern 
Gesellen damit begrüfst wurde. Da konnte er freilich 
etwas werden!" 
Künstlerische Kultur des ganzen Volkes mufs die 
Einzelnen, denen die Gabe der Gestaltung gegönnt ist, 
zur höchsten Höhe emportragen. "Viele Gedanken. 
heben sich erst aus der allgemeinen Kultur hervor wie
        

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