Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529355
der 
Förderung 
Die 
Kunst. 
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grofse Schwierigkeit, die wir alle erfahren, uns auf ein- 
samem Wege durchzuhelfen. 
"Nehmen Sie dagegen Beranger. Er ist der Sohn 
armer Eltern, der Abkömmling eines armen Schneiders, 
dann armer Buchdruckerlehrling, dann mit kleinem Ge- 
halte angestellt in irgend einem Bureau, er hat nie eine 
gelehrte Schule, nie eine Universität besucht, und doch 
sind seine Lieder so voll reifer Bildung, so voll Grazie, 
so voll Geist und feinster Ironie und von einer solchen 
Kunstvollendung und meisterhaften Behandlung der 
Sprache, dafs er nicht blofs die Bewunderung von 
Frankreich, sondern des ganzen gebildeten Europa ist. 
"Denken Sie Sich aber diesen selben Beranger, an- 
statt in Paris geboren und in dieser Weltstadt heran- 
gekommen, als den Sohn eines armen Schneiders zu 
jena oder Weimar und lassen Sie ihn seine Laufbahn 
ian gedachten kleinen Orten gleich kümmerlich fortsetzen 
und fragen Sie Sich, welche Früchte dieser selbe Baum, 
.in einem solchen Boden und in einer solchen Atmosphäre 
aufgewachsen, wohl würde getragen haben! 
„Als0, ich wiederhole: es kommt claraufan, dafs in 
einer Nation viel Geist und tüchtige Bildung in Kurs 
sei, wenn ein Talent sich schnell und freudig ent- 
wickeln _s0ll. 
„Wir bewundern die Tragödien der alten Griechen; 
_allein, recht besehen, sollten wir mehr die Zeit und die 
Nation bewundern, in der sie möglich waren, als die 
einzelnen Verfasser. Denn wenn auch die Stücke unter 
sich ein wenig verschieden, und wenn auch der eine 
dieser Poeten ein wenig gröfser und vollendeter er- 
scheint als der andere, so trägt doch, im grofsen und 
ganzen betrachtet, alles nur einen einzigen durch- 
W. Bode, Goethes Asthetik. 2I
        

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