Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529342
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Goethes 
Ästhetik. 
leere Klage, wenn sich bald diese oder jene Kunst- 
und Wissenschaftsberlissene beschweren, dafs gerade ihr 
Fach von den hlitlebenden vernachlässigt werde; denn 
-es darf nur ein tüchtiger Meister sich zeigen, so wird 
er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Rafael möchte 
nur immer heute wieder hervortreten, und wir wollten 
ihm ein Übermafs von Ehre und Reichtum zusichern. 
Ein tüchtiger Meister macht brave Schüler, und ihre 
Thätigkeit ästet wieder ins Unendlichef") Aber es ist 
doch auch das gröfste Genie abhängig von der all- 
gemeinen Kultur und besonders von dem Kunst- 
verständnis seines Volkes, sodann auch von den Werken 
seiner Vorgänger. 
"Es geht durch die ganze Kunst eine Filiationfz) 
Sieht man einen grofsen Meister, so findet man immer, 
dafs er das Gute seiner Vorgänger benutzte, und dafs 
eben dieses ihn grofs machte. Männer wie Rafael wachsen 
nicht aus dem Boden. Sie fufsten auf der Antike und 
dem Besten, was vor ihnen gemacht worden. Hätten 
sie die Avantagen ihrer Zeit nicht benutzt, so würde 
wenig von ihnen zu sagen sein." 
Wie haben doch die deutschen Dichter des acht- 
zehnten jahrhunderts gelitten, weil sie sich erst aus 
einer allgemeinen Barbarei erheben mufsten! Man denke 
an Schiller! Seine drei jugendwerke: ,R'auber', ,Fiesko', 
,Kabale und Liebet zeugen von sehr grofsem Talent, 
aber nicht von grofser Bildungsreife des Dichters. 
"Daran ist aber nicht Schiller schuld," fährt Goethe 
fort,3) "sondern der Kulturzustand seiner Nation und die 
 Winckelmann. Philosophie. I804-I805. 
mann, 4. januar 1827.  3) Zu Eckcrmann, 3. 
 9) Zu Ecker- 
Mai 1827.
        

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