Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529195
Die 
Förderung 
der 
Kunst. 
305 
im Alterl) und er fuhr fort: „Sind es nicht die einzelnen 
Fürstensitze, von denen diese Kultur ausgeht und welche 
ihre Träger und Pfleger sind? Gesetzt, wir hätten in 
Deutschland seit Jahrhunderten nur die beiden Residenz- 
städte Wien und Berlin oder gar nur eine, da möchte 
ich doch sehen, wie es um die deutsche Kultur Stände. 
   Denken Sie an Städte wie Dresden, München, 
Stuttgart, Kassel, Braunschweig, Hannover und ähnliche; 
denken Sie an die grofsen Lebenselemente, die diese 
Städte in sich selber tragen; denken Sie an dieWirkungen, 
die von ihnen auf die benachbarten Provinzen ausgehen, 
und fragen Sie sich, ob das alles sein würde, wenn sie 
nicht seit langen Zeiten die Sitze von Fürsten gewesen." 
Eine dieser Städte, Stuttgart, hat Goethe gerade als 
Kunststadt aufmerksam betrachtet, als er im September 
I 7 97 sich einige Tage dort aufhielt. Er schilderte sie seinem 
eigenen Fürsten, der natürlich an anderen Residenzen 
besonderen Anteil nahm?) Herzog Karl vonWürttemberg, 
meinte Goethe, habe wohl nur zur Befriedigung seiner 
augenblicklichen Leidenschaften und zur Realisierung 
abwechselnder Phantasieen gewirkt. "Indem er aber 
auf Schein, Repräsentation, Effekt arbeitete, so bedurfte 
er besonders der Künstler, und indem er nur den 
niedern Zweck im Auge hatte, mufste er doch die 
höhern befördern. In früherer Zeit begünstigte er das 
lYrische Schauspiel und die grofsen Feste, er suchte 
SiCh die Meister zu verschaffen, um diese Erscheinungen 
in gröfster Vollkommenheit darzustellen. Diese Epoche 
ging vorbei, allein es blieb eine Anzahl von Liebhabern 
 
1) 23. Oktober 1828.  
Tübingen, 12. September 1797, 
W. Bade, Goethes Ästhetik. 
5') An Herzog 
Wcim. Ausg. 
Karl August, 
IV, I2, 29. 
20 
2.115
        

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