Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529166
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Goethes 
Ästhetik. 
Goethe weifs, dafs man solche Worte als Schmeichelei 
auffassen könnte, dennoch mufs er seinen Herzog rühmen: 
"Denn mir hat er gegeben, was Grofse selten gewähren, 
Neigung, Mufse, Vertrauüi, Felder und Garten und Haus. 
Niemand braucht ich zu danken als ihm, und manches bedurft ich, 
Der ich mich auf den Erwerb schlecht als ein Dichter verstand. 
Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben? 
Nichts! Ich habe wie schwer! meine Gedichte bezahlt." 
Diese letzte Zeile zeigt uns, dafs die Zeiten sich ge- 
ändert haben. Goethe schrieb sie im Frühjahr 1789; 
sechs Jahre später bekam er von Schiller gerade für die 
venetianischen Epigramme, aus denen wir eben zitiert 
haben, ein kleines Honorar, das freilich die während 
des Dichtens verbrauchten Zechinen nicht völlig ersetzen 
könne, und Goethe antwortete belustigt, es scheine ihm 
nun, dafs die Dichter, die doch nach des Freundes 
Gedicht bei der Teilung der Erde zu kurz gekommen 
seien, ein seltsames Privileg bekommen hätten; dafs ihnen 
nämlich ihre Thorheiten bezahlt würden. 1) Mit diesem 
Scherze schritt Goethe von einem Zeitalter der Geistes- 
Wirtschaft in ein neues, von der feudalen Zugehörigkeit 
zur Haushaltuixg eines Mäcens trat er jetzt über in die 
Zeit, wo auch der Dichter und Denker dem kapitalistischen 
Unternehmertum und seinen Zwischenmeistern nicht 
anders angehört als der Leinweber und die Mäntelnäherin 
auch. Der feudale Zustand wich nicht völlig, aber die neue 
Besoldungsart war nun da und sie ward immer wichtiger. 
Goethe hatte allerdings schon für den ,Werther' von 
Weygand in Leipzig ein Honorar erhalten, aber es 
1) Briefwechsel 
Dezember 1795. 
zwischen 
Schiller 
und 
Goethe 
vom 
bis
        

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