Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529104
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Goethes 
Ästhetik. 
Buchs gemacht zu haben. Mein Favorit ist er nicht; 
mir könnte der Prinz gefallen." 
„Der Prinz", meinte Eckermann, „bleibt bei aller 
Wildheit immer noch liebenswürdig genug, und er ist 
vollkommen so gut gezeichnet wie irgend ein anderer." 
"Wie er zu Pferde sitzend," sagte Goethe, "das 
hübsche Zithermädchen auf seinen Fufs treten lafst, um 
sie zu einem Kufs zu sich heranzuheben, ist ein Zug 
von der verwegensten englischen Art. Aber ihr Frauen 
habt unrecht, wenn ihr immer Partei macht; ihr leset 
gewöhnlich ein Buch, um darin Nahrung für euer Herz 
zu finden, einen Helden, den ihr lieben könntet! S0 
soll man aber eigentlich nicht lesen, und es kommt gari 
nicht darauf an, dafs euch dieser oder jener Charakter 
gefalle, sondern dafs euch das Buch gefalle."- 
„Wir Frauen sind nun einmal so, lieber Vater," sagte 
Frau von Goethe, indem sie über den Tisch neigend 
ihm die Hand drückte.  "Man mufs euch schon in 
euerer Liebenswürdigkeit gewähren lassen," erwiderte 
Goethe. 
S0 mufs man schließlich auch die männlichen 
Dilettanten gewähren lassen. Sie werden zu allen Zeiten 
da sein ; wenn sie aber in bedrohlichen Schwärmen auf- 
treten, so hat das besondere Ursachen und ist dann 
auch nicht von Dauer. Man mufs solche Moden von 
der Wlarte der Jahrhunderte betrachten, wie Goethe im 
Januar 1808 in Worten, die er zu Riemer sprach: 
„Der Kunstgenius produziert zu allen Zeiten, in 
mehr oder minder geschmeidigem Stoff, wie die Vorwelt 
Homer, Aeschylos, Sophokles, Dante, Ariost, Calderon 
und Shakespeare gesehen hat ; es ist nur dies der Unter- 
schied, dafs jetzt auch die Mittelmäßigkeit und die
        

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