Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Goethes Ästhetik
Person:
Bode, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1525823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1529069
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Goethes 
Ästhetik. 
„Charakteristikern" geläufig war. Eine andere dilet- 
tantische Eigenschaft der "Schriftstellerinnen betonte er 
gegen Riemer:') "Die femmes auteurs fassen die 
Männer nur unter der Form des Liebhabers auf und 
stellen sie dar, daher alle Helden in weiblichen Schriften 
die Gartenmanns-Figui" machen." Und die Verfasserin 
einer ,Charl0tte Corday' war nicht die Einzige, von der 
er dachte: "Sie hätte besser gethan, sich für den Winter 
ein warmes Unterröckchen zu strickenfw) 
Als in Gesellschaft einmal die Rede auf die Dichterinnen 
kam,3) rückte sein Arzt, Hofrat Rehbein, das Thema 
in die ihm gewohnte medizinische Beleuchtung, indem 
er bemerkte, dafs das poetische Talent der Frauen- 
zimmer ihm oft als _eine Art von geistigem Geschlechts- 
triebe vorkomme. „Da hören Sie nur," sagte Goethe 
lachend, "geistigen Geschlechtstrieb! Wie der Arzt 
das zurechtlegt!"  "Ich weifs nicht, ob ich mich 
recht ausdrücke," fuhr dieser fort, "aber es ist so 
etwas. Gewöhnlich haben diese Wesen das Glück der 
Liebe nicht genossen und sie suchen nun in geistigen 
Richtungen Ersatz. Wären sie zu rechter Zeit verheiratet 
und hätten sie Kinder geboren, sie würden an poetische 
Produktionen nicht gedacht haben." 
„Ich will nicht untersuchen," erwiderte Goethe, 
"inwiefern Sie in diesem Falle recht haben; aber bei 
Frauenzimmertalenten anderer Art habe ich immer ge- 
funden, dafs sie mit der Ehe aufhörten. Ich habe 
Mädchen gekannt, die vortrefflich zeichneten, aber 
sobald sie Frauen und Mütter wurden, war es aus; sie 
1) 13. August 1807, 
Oktober 1804.  3) 
Biedermann II, 184.  
Eckermann, 18. Januar 
2) An 
1825- 
Eichstädt,
        

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